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Illuminati Filmkritik


Buchverfilmungen – Des einen Leid („Warum haben die die Vorlage zu verunstaltet???“), des anderen Freud („Da bekomme ich kompakt in zwei Stunden Unterhaltung pur geboten!“). Ehrlich gesagt: Es ist immer ein zweischneidges Schwert, wenn eine Buchvorlage als Quasi-Drehbuch fungieren soll. Selbst bei der Vorzeigeumsetzung von ‚Herr der Ringe‘ gibt es kritische Stimmen, wobei man hier sagen muss, dass es eher Details sind, die stören, weniger die Gesamtumsetzung. Und immer wieder stellt sich die Frage: Erst das Buch lesen, dann den Film schauen? Oder erst den Film schauen, dann das Buch?

Das muss im Endeffekt jeder für sich selbst entscheiden: Bei ersterem ist der Film problematisch, denn die eigenen Vorstellungen müssen sich nicht unbedingt mit der Sicht des Regisseurs übereinstimmen. Bei letzterem geht aber oft die Faszination des Buches verloren, die eigene Interpretation, die Details und oft auch die Spannung.

Eines vorweg: Dan Browns wissenschaftlich angehauchten Geschichten polarisieren. Und auch hier gibt es zwei Seiten zu beachten: Auf der einen Seite, die Fiktion, die Dan Brown immer wieder in den Mittelpunkt stellt, auf der anderen Seite die wissenschaftliche Erklärung, die mit den Vorstellungen des Lesers spielt. Ist es tatsächlich möglich? Gibt es so etwas? Natürlch nutzt Dan Brown populäre Mythen und legendäre Vorfälle der Geschichte. Aber sie sind nur Konstrukt und man sollte nun wirklich nicht jedes Detail aufnehmen und analysieren, ob es tatsächlich so ist. Brown ist in erster Linie Schriftsteller, kein Wissenschaftler, sonst wären seine Bücher sicherlich nicht so erfolgreich und massentauglich. Und das ist auch gut so. Diese Hintergründe sollte man immer im Kopf haben, denn diese erleichtern die Bewertung der Filmumsetzung des Buches Illuminati (im engl. erschienen unterm dem Titel „Angels & Demons„).

Wer die Bücher gelesen hat, dem ist sicherlich aufgefallen, dass sich die Bücher hervorragend als Filmumsetzung eignen würden. Eine filmische Umsetzung ist damit oft an die logischen Schwächen der Vorlage gebunden, das sollte man nicht unerwähnt lassen ist auch bei Illuminati so. Wenn man aber weiß, worauf man sich einläßt, hat der Film den Vorteil, dass er mit Bildern und den Einsatz der Kulissen vieles wieder wett machen kann. Der Autor nutzte schon in den Büchern geschickt Spannungsbögen mit verschiedenen Handlungssträngen, verwendete Elemente und Szenenbilder aus Filmen und man merkt, dass er sich eine Filmumsetzung sicherlich selbst gut vorgestellen konnte – nach dem überschwänglichen Erfolg seiner Bücher war es also nur eine Frage der Zeit, bis sich ein Regisseur findet, der sich an eine Umsetzung wagt. Wie schon bei der erster Verfilmung von Sakrileg übernahm Ron Howard die Ausführung.

Da nun ein 700 Seiten Buch in 138 Minuten gepackt werden muss, fallen einige Dinge der Schneideschere zum Opfer: Das Forschungsinstitut CERN wird relativ schnell abgehandelt (Leonardo Vetra hat kaum eine Rolle, die Rolle des Leiters Maximilian Kohler im Film entfällt komplett). Die Unterschiede will ich aber nicht weiter auswälzen, sie lassen sich hier z.B. recht übersichtlich nachlesen.

Was Howard schafft, ist einen Spannungsbogen aufrechtzuerhalten. Da ich das Buch verschlungen habe, war mir die Spannung nicht ganz so wichtig, aber Howord hat es trotzdem geschafft, dass man gespannt auf die Leinwand schaut. Tom Hanks in seiner Rolle als Robert Langdon wirkt zwar genauso starr, wie in Sakrileg, aber daran kann man sich gewöhnen. Seine Mitstreiterin Vittoria Vetra (Ayelet Zurer) fällt zum Glück nicht negativ auf und wirkt bis zum Ende weder schnulzig noch nervig – das hatte mich im Buch doch schon etwas gestört. Überzeugt haben mich Commander Richter (klasse gespielt vom wunderbar arrogant wirkenden Stellan Skarsgård) und die Figur des Camerlengo (gespielt von Ewan McGregor). Kommandant Olivetti fällt etwas ab und ist bei weitem nicht so aufdringlich wie im Buch, Kardinal Strauss wird sehr routiniert gespielt von Kino-Legende Armin Mueller-Stahl, welcher wohl in einem seiner letzten Filme mitwirkt.

Der Assassine kommt abgeklärt und „stilvoll“ rüber, wobei der charismatische Silas aus Sakrileg durchaus furchteinflößender war. Zudem wirken seine Ermordungen auf die Hauptprotagonisten nicht gerade niederschmetternd, denn Langdon z.B. nimmt scheinbar den Tod Olivettis und einiger weiterer Polizisten nur so am Rande auf. Hier hätte man durchaus mehr Entsetzen erwarten können, aber Langdon scheint das nicht wirklich großartig zu interessieren, ob um ihn herum zig Leute ermordet werden. Im Buch wird dies allerdings auch nicht weiter durch Emotionen ausgeschmückt. Die Figur des Assassinen bleibt damit etwas blaß, die Vorlage bietet allerdings auch nicht gerade viel Spielraum.

Die Jagd auf den Assassinen bleibt im Tempo jederzeit auf hohem Niveau. Hans Zimmer unterstützt gerade diese Szenen des Films wunderbar mit seiner musikalischen Untermalung und im Gegensatz zu einigen Kritiken sehe ich hier keinen übertriebenen Einsatz. Sie fügt sich perfekt in das Geschehen ein und unterstützt die beeindruckende Kulisse Roms in jeder Hinsicht. Interessant ist dabei die Tatsache, dass man diverse Einschränkungen beim Dreh hinnehmen musste und generell Dreharbeiten im Vatikan nicht gestattet wurden. Also wurden am PC diverse Orte nachgebaut, was im Film aber nie wirklich künstlich wirkt. Die gesamte römische Kulisse ist sehenswert in den Film integriert und auch wenn die Jagd teilweise etwas aufgesetzt wirkt (es ist irgendwie immer 5 vor Paukenschlag), so kann man trotz einiger Logik-Sprünge alles nachvollziehen. Ich bin nicht der Meinung, dass der Film hier hetzt oder „zu schnell“ wird, wie das teilweise bei Sakrileg der Fall war. Dass Vittoria oft mit dabei ist, obwohl einige Gründe für ihr Dasein fehlen, stört meiner Meinung nach nicht weiter; schließlich ist sie die Einzige, die die Batterie des Behälters austauschen könnte. Warum also nicht?

Grobe Fehler in der Umsetzung des Romans kann man Howord meiner Meinung nach sowieso nicht vorwerfen. Im Buch hat mich vor allen Dingen das Ende unglaublich gestört, diese an den Haaren herbei gezogene Helikopter-Sequenz war irgendwie lächerlich. Im Film nutzt Howard natürlich die spektakuläre Explosion für eine nette Action-Einlage, aber er macht die ganze Situation auch deutlich glaubwürdiger. Hier springt der Camerlengo allein in den Helikopter, läßt diesen in die Höhe schnellen und landet danach recht unweich mit Fallschirm auf dem Petersplatz. Hier hat sich Erleichterung in mir breit gemacht, denn die filmische Anpassung hat sich gelohnt: Der Fall Langdons im Buch mit der „Plane“ war einfach nur schlecht…

Dass es dann nach so einem Höhepunkt nochmal spannend werden soll, ist für einen Film oft kein Vorteil und man merkt auch bei Illuminati, dass nach der Explosion klar der filmische Höhepunkt erreicht wurde. Trotzdem wirken die weiteren Szenen nicht aufdringlich oder überspannt, sondern wecken durchaus noch Interesse, weil Howard hier noch paar Dinge positiv verändert hat. Den Krampf, dass der Camerlengo der künstlich befruchtete Sohn des verstorbenen Papster sei, fehlt zum Glück komplett. Schön, dass dieser Stuss zum Glück nicht doch noch irgendwie verpackt wurde! Genauso wie die Verbrennung auf dem Petersplatz, die nun dezent im inneren des Vatikans statt findet und damit nicht lächerlich wirkt. Auch der Tod dess Asssassinen ist nun glaubwürdiger und interessanter durch die Auto-Bombe dargestellt, auch wenn man sich natürlich schon wundert, warum er Langdon und Vittoria nicht einfach erschießt, wie er es schon mit der römischen Polizei getan hat. Die hatte er ja auch nicht auf seiner „Liste“… Aber eine plausiblere Erklärung war wohl irgendwie nicht drin.

Die Atmosphäre des Films wird gekonnt durch eine recht dunkle Darstellung Roms und der katholischen Kirche eingefangen. Das oft kritisierte fehlende Gefühl der Enge fällt mir nicht auf, im Gegenteil: Die Szenen auf dem Petersplatz spielen sich überzeugend ab, die Nacht in Rom und die Morde sind geheimnisvoll genug und auch wenn es teilweise recht schnell geht, die Szenen zu deuten, so bleibt das Tempo angenehm. Hier war Sakrileg viel hastiger und stressiger. Die beiden Szenen im Archiv sind super eingefangen (Vittorias Szene ist einfach köstlich, beim Ausreißen der Seite ging ein Raunen durchs Kino) und beeindrucken durchweg durch Stil. Wer würde nicht gern einmal das Archiv betreten, ohne von den Bibliothekaren des Vatikans eine Erlaubnis zu erhalten?! 🙂

FAZIT: Insgesamt gesehen, kann ich die überzogene Kritik des Films (Metacritic 48/100; Filmstarts 4/10) nicht nachvollziehen und ich bin kaum überrascht, dass auch das Publikum diese Auffassung nicht teilt (7.1/10 bei Filmstarts [bei über 250 Stimmabgaben zum Zeitpunkt dieses Beitrags]; 7.0/10 bei IMDB [über 10.000 Votes]). Ich kann den Film für Buchfans empfehlen, solange man nicht denkt, dass alles akribisch wie im Buch sein muss – meiner Meinung nach hat hier Howard viele Dinge besser gemacht, als es die Vorlage zuließ. Natürlich hat der Film seine Macken und Fehler, aber wenn man sich das Gesamtbild des Films anschaut, kann ich guten Gewissens sagen, dass der Film für gute Unterhaltung sorgt und absolut keine Bruchlandung darstellt. Weder technisch, noch inhaltlich, noch in Sachen Atmosphäre oder Spannung. Es gibt sicherlich bessere Filmumsetzung, aber Illuminati zählt für mich auf jeden Fall zu den positiven Vertretern. Ich kann dem Film ohne Probleme [8/10] geben und er hat mir viel besser gefallen, als Sakrileg (das von mir eine 6/10 bekommen hätte). Den Film möchte ich auf jeden Fall nochmal in OT sehen, da die vielen Sprachen und Akzente doch erheblich auflockern und für kurzes Schmunzeln sorgen. Vielleicht übt der Film weniger Kritik und stellt weniger den Diskurs zwischen Religion und Wissenschaft dar, aber das muss bei Mainstream-Kino in dieser Form auch nicht unbedingt sein.

Gekonnt inszenierte Buchverfilmung mit wenigen Unzulänglichkeiten!


[Trailer (u.a. in 1080p]

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Kategorien:Film & Kino
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