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Beat ‚em Up Rückblick – Die Top 10 des Genres


Sidescrolling-Beat ‚em Up, Beat ‚em All oder nur Beat ‚em Up? Im angloamerikanischen Raum spricht man lediglich von Beat ‚em Up oder Brawler (englisch für Schlägerei, Prügelei oder Rauferei), das „Street Fighter“ Genre nennt sich Fighting Game. Seit Jahren macht es Spaß, durch Straßen zu ziehen, und alle möglichen Bösewichte zu kloppen.

In den letzten Jahren hat es leider ganz klar an Genre-Vertretern gefehlt hat (löbliche Ausnahmen: Castle Crashers, MadWorld oder teilweise auch die X-Men Legends Reihe, die allerdings mehr den Action RPGs zuzuordnen ist). Der Höhepunkt des Genres in der ersten Hälfte der 90er liegt lange zurück. Doch durch den Release von Final Fight: Double Impact wird das Genre wieder etwas belebt – zumindest in Form einer Hommage an die 80er und 90er-Spielhallenklopper mit tollem Automaten-Flair. Ein Zeitpunkt, mal in die Vergangenheit zurückzuschauen und ein paar Höhepunkte hervorzuheben…

Wer sich die Shots des neu aufgelegten Klassikers anschaut, fühlt sich sofort wieder in die Zeit Anfang der 90er zurückversetzt: Gewölbte Fernseherscheiben, flimmernde Bilder und aufgeklebte Spieletipps. Final Fight wurde zwar zig mal neu aufgelegt (u.a. in diversen Capcom Collections oder als Umsetzung für den GBA), aber das Feeling eines echten Automaten bringt wahrscheinlich nur die PSN/XBL-Version mit. Tatsache ist: Auch heute noch machen diese Spiele wahnsinnig viel Spaß, weil der Einstieg in das Spiel schnell gelingt, die pure Action im Vordergrund liegt und ein Coop-Modus die Krönung des Spielspaßes darstellt: Zusammen machts einfach doppelt so viel Spaß!

Die 70er Jahre mit Martial-Arts Ikone Burce Lee konnten aufgrund der bescheidenen technischen Möglichkeiten noch nicht spaßig genug als Brawler umgesetzt werden. Dementsprechend entstanden die Genre-Vertreter erst in den 80ern – passend zu Filmen wie Karate Kid (1984) oder Bloodsport (1988), die zumindest kurzzeitig eine Welle der Kampfsport-Euphorie im US-amerikanischen Raum entstehen lassen.  Kung-Fu Master von 1984 kann als erster Versuch gewertet werden und bringt reichlich sportlichen Charakter mit. Noch ist es ein Spiel, das sich lediglich auf der horizontalen Ebene abspielt und dementsprechend ist nur das Timing für Angriffe entscheidend. Das ändert sich schlagartig mit Taitos Renegade (1986): Dieses bringt erstmalig Tiefe ins Geschehen, der Spieler kann sich räumlich bewegen und die Gegner von verschiedenen Seiten angreifen. Dazu bieten sich Waffen oder Gegenstände an, die Gegner fallen lassen oder in den Levels verstreut liegen. Ein Standard, der sich über Jahre hinweg etablieren wird und eine Ära einläutet, die bis Mitte der 90er Jahre anhält. Die weiteren Genre-Highlights (die Titel sind immer stellvertretend für die gesamte Spielreihe):

Double Dragon (August 1987):

Technos Japan stellt mit Double Dragon einen Grundstein für das Genre her. Die beiden Brüder Billy und Jimmy Lee (müssen die Helden eigentlich immer mit Bruce Lee in Verbindung gebracht werden? 😉 ) kloppen sich seitdem durch unzählige Fortsetzungen durch. Höhepunkt ist meiner Meinung nach der zweite Teil auf dem NES (1989): Cooperativ ein Traum und höchst motivierend. Zumindest was die Heimversionen angeht, denn diese unterscheiden sich in vielen Punkten von den Arcade-Vorbildern. Der dritte Teil (1991) bot noch einen Dreispieler-Simultanmodus auf, nahm aber das direktionale Anfreifen wieder heraus: Gegner können damit nur in eine Richtung angegriffen werden, worunter leider das Gameplay etwas leidet. Die NES-Umsetzung enttäuschte mit lahmen Gameplay und schlechter Balance und konnte nie an den grandiosen zweiten Teil heranreichen.

River Ransom City (April 1989):

Bis heute ein eher unbekannter Titel, ebenfalls von Technos. Grafisch erinnern die Figuren an die Kicker in Nintendo World Cup – was daran liegt, dass die Figuren ihren Ursprung der der Kunio-kun-Franchise von Technos haben. River Ransom City ist zwar vergleichbar mit Double Dragon – es stellt aber viel mehr den Humor in den Vordergrund und enthält einige RPG-Elemente, die sich auf die Kampfkraft der beiden Brüder Alex und Ryan auswirken. Bisher konnte ich die NES-Version (kam erst 1991 in Europa heraus) und das 2004 nur in den USA erschienene River Ransom City EX auf dem Gameboy Advance spielen, seit 2008 gibts den NES-Titel auch als Virtual Console Titel auf der Wii. Aufgrund der RPG-Ausrichtung ist der Titel bis heute ein spaßige Klopperei, die man sich anschauen sollte.

Golden Axe (Mai 1989):

Bisher beschränkte sich das Genre auf Straßenkloppereien in Anlehnung an die zahlreichen Filmvorlagen und Szenarien der 80er Jahre (zwei Brüder, Rache, Entführungen,…). Mit Golden Axe wurde das Genre erstmals in die Fantasy-Welt übernommen, wobei Golden Axe gern zum Hack ’n Slash/Slay-Genre gezählt wird. Als Vorbild diente mit Sicherheit der Film Conan der Barbar (1982, man beachte nur das Film-Cover und das des Mega Drive-Erstlings). Die Arcade-Fassung wurde direkt auf das Mega Drive und andere Systeme portiert, wobei die Serie (es folgten zwei Fortsetzungen auf dem Mega Drive 1991 und 1993) fast nur mit Segas Konsolen in Verbindung gebracht wird. Die Story ist wenig interessant, spektakulär sind vor allen Dingen die Magie-Attacken, die in verschiedene Stufen aufgepowert werden können. Die beiden Dungeons & Dragons Spiele Tower of Doom (1993) und Shadow of Mysteria (1996) gehen diesen Weg weiter und verknüpfen Beat ‚em Ups noch mehr mit RPG-Elementen und sind somit Vorläufer für Hack ’n Slays/Slashs bzw. Action-RPGs wie Diablo (1996) oder die X-Men Legends Serie (ab 2004). Teil 2 war eher ein Aufguß des ersten Teils, Teil 3 erschien leider nie in Europa. 1994 erschien mit Pirates of the Dark Water ein ähnliches Spiel für SNES, dass die Piratenthematik aufnahm.

Final Fight (Dezember 1989):

Mit Final Fight beginnt eine regelrechte Euphorie-Welle: Die 16-Bit-Technik der damaligen Zeit beginnt sich zu etablieren, die kleinen Sprites aus Double Dragon, River Ransom City oder Renegade gehören der Vergangenheit an. In Final Fight ist die Kamera näher am Geschehen dran, spielerisch ist aber kein großer Sprung zu erkennen. 1990 wird der erste Teil als SNES-Launch-Titel in Japan vermarktet, wobei der 2-Spieler-Modus restlos gestrichen wurde und auch nicht im Update Final Fight Guy vorhanden war. Nintendo erkannte schnell das Potenzial der Serie und konnte sich die Exklusivrechte für Teil 2 (1993, endlich mit Zweispieler-Coop) und Teil 3 (1995) sichern. Von beiden Nachfolgern gab es keine Arcade-Umsetzung, sie blieben SNES exklusiv – wahrscheinlich in Konkurrenz zur Streets of Rage-Serie, zu der wir später noch kommen. Final Fight wurde damit vom Prinzip die spielerische Grundlage für viele ähnliche Spiele des Genres wie Captain Commando (1991, wurde erst 1995 für das SNES portiert) oder Batman Returns (1993) und gilt damit als Urvater für alle kommenden 16-Bit-Kloppereien.

Teenage Mutant Ninja Turtles (Dezember 1989):

Das Genre war gerade 1989 irrsinnig populär. Damit man was vergleichbares wie Konkurrent Capcom vorweisen konnte, nutzte Konami vor allen Dingen Lizenzen – wie z.B. mit Teenage Mutant Ninja Turtles (kurz TNMT) oder dem später erschienenem Batman Returns (1993). Der Titel wurde vor allen Dingen auf dem NES als TNMT II – The Arcade Game (1990, 1991 in Europa) ein Riesenerfolg, natürlich mitschwimmend auf der allgemeinen Turtles-Welle (die Serie startete 1987, der sehr erfolgreiche Kinofilm kam 1990 in die Kinos). Der erste Turtles-Teil auf dem NES war noch mehr oder weniger ein Jump ’n Run und nicht so erfolgreich.  Teil 2 hingegen die Portierung des Arcade-Originals (allerdings ohne 4-Spieler-Modus) und ein Volltreffer! Der Titel schrie zwar förmlich danach, mit allen vier Charakteren gezockt zu werden (in der Spielhalle ein Traum!), aber auch die Heimversion für das NES war zu zweit ein absolutes Highlight und konnte sich auch technisch gegenüber der kommenden 16-Bit-Konkurrenz sehen lassen. Der zweite Arcade-Teil, Turtles in Time, erschien schon 1991 und wurde dann erfolgreich für das SNES (als Teil IV) und das Mega Drive Mega Drive (dort als Hyperstone Heist, beide 1992) mit Abänderungen portiert. Ein dritter Turtles-Teil wurde Ende 1991 für das NES als The Manhatten Project zwischengeschoben. Bis heute gilt Turtles in Time als eines der besten Beat ‚em Up Spiele überhaupt (siehe z.B. die Gametrailers-Liste), wobei in der Regel die SNES-Version bevorzugt wird (Mode-7-Effekte, generell farbefrohere Grafik,…). Leider sind bei beiden Versionen der 4-Spieler-Modus entfallen. Das Spiel ist so populär in Erinnerung, dass 2009 sogar ein Remake für PSN und XBL erschien. Die Serie diente im übrigen RARE als Grundlage für die erfolgreiche Battletoads-Serie (inkl. der Verschmelzung von Battletoads und Double Dragon im gleichnamigen Videospiel, 1993), natürlich mit ultrahartem Schwierigkeitsgrad und fabelhafter Technik (NES-Version). Vor allen Dingen in Europa waren die Battletoads ein ähnlicher Erfolg wie die Turtles-Spiele in den USA.

The Simpsons – Arcade Game (März 1991):

Das Spiel wurde 1991 mit der recht neuen Simpsons-Lizenz ausgestattet und überzeugte durch einen exzellenten 4-Spieler-Modus. Für mich ist es bis heute die beste Simpsons-Portierung überhaupt und schon damals war der Humor (Marge kämpft z.B. mit einem Staubsauger) unübertroffen. Unglaublich, wenn man bedenkt, dass nunmehr fast 20 Jahre vergangen sind und kein Nachfolgespiel den Spielspaß erreichte, wie diese Arcade-Exklusivität. Vielleicht spielen auch Nostalgie und Sympathie für die gelbe Darstellerriege mit, schließlich gab es schon zuvor einige Beat ‚em Ups mit mehreren Mitspielern (Renegade bot einen 3-Spieler-Modus, TMNT 4-Spieler). Aber trotzdem ist es ein unglaublich spaßiges Erlebnis mit einigen cinematischen Zwischensequenzen.

Update: Ist das genial? 🙂

[DER ARTIKEL WIRD ÜBERARBEITET, es folgen Videos und Screenshots, und die Zeit nach 1991 und ein großes Update – wenn ich mal Zeit habe 🙂 ]

Update: Im Prinzip hat Racketboy genau das gemacht, was ich machen wollte. Mehr gibt es eigentlich nicht hinzuzufügen. 😉

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Kategorien:Artikel, Videospiele
  1. Flat Eric
    30. April 2015 um 17:21

    Der IREM-Klassiker? Leider nie gespielt, muss ich mal reinschauen. 🙂

  2. Anonymous
    28. April 2015 um 13:48

    Hey meinst Du vll Blade Master!?

  3. Christian
    6. November 2010 um 23:55

    P.S.

    Die Wiki-Listen hab‘ ich natürlich schon paarmal durch. Ohne nennenswerte Erfolge..

  4. Christian
    6. November 2010 um 23:50

    Hey,

    erst mal danke für die Listen. Werde ich mal weiterrecherchieren.
    Weiß leider echt kaum noch was.. Selbst der Einer-gegen-Einen-Aspekt, an den ich mich so klammere, könnte vielleicht bloß so was wie ein Endgegnermodus gewesen sein. Wobei ich mich nicht mehr im geringsten an Scrolling-Levels erinnern kann.

    Zum Erscheinungsdatum wäre interessant zu wissen, inwiefern europäisch-ländliche (hier speziell französische) Arcades hinter gutbesuchten in den Metropolen zurücklagen.

    Obskure Erinnerungen ;o)

  5. Flat Eric
    5. November 2010 um 15:49

    Hallo Christian,

    hui, das ist nicht so einfach. 🙂 P.O.W. kam 1988 raus, Shinobi 1987, Afterburner 1987. Also geh ich mal davon aus, dass das Spiel auch so um den Dreh herum erschienen ist (zwischen 1987 und vor Ende 1989), was auf nicht viele Spiele zutreffen kann. Es gibt diese und diese Liste, wo das Spiel vielleicht einen Eintrag spendiert bekommen hat.

    Aber auf die Schnelle konnte ich auch nichts finden. :-/ In dieser Liste ists mit Sicherheit dabei. 😀 Hast du sonst noch Hinweise auf das Spiel?

  6. Christian
    5. November 2010 um 01:19

    Hey Eric,

    hab‘ den Text via google gefunden und geh Dir mal mit der Frage auf den Keks, die ich immer mal wieder Leuten stelle, die sich mit Games auskennen.

    Also, ich war 1989, im Sommer, als zehnjähriger Stinker in Frankreich und sah dort in einer Spielhalle einen Automaten mit ’nem Fantasy Prügelspiel. Die großen Maschinen der Zeit waren P.O.W., Shinobi und Afterburner – falls Dir die Info hilft. Wenn ich mich recht entsinne (und hier kommt das bekannte Problem mit der subjektiven Erinnerung) war das Spiel in der gewohnt schmutzigen Conan-Optik, die Figuren kämpfen One-On-One, nicht einer gegen Massen im Sidescroll und einer der Gegner war ein „Sensemann“-Todesengel mit Flügeln..

    Wenig Infos aber alles, was ich Dir bieten kann. Wäre super, wenn Dir vielleicht was einfiele. :o)

    Grüße aus Frankfurt

    Christian

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