Startseite > Medien & Internet > Weltuntergangsstimmung – Pleiten, Pech und Pannen bei der Bahn

Weltuntergangsstimmung – Pleiten, Pech und Pannen bei der Bahn


Die Überschrift ist nicht die kommende Hiobsbotschaft, dass sich ab 2012 noch katastrophalere Zustände ergeben, wie dies im Januar diesen Jahres der Fall war – nein, es geht „nur“ um das beliebte Weltuntergangsthema „2012“ in einem Artikel der Kundenzeitschrift mobil

Ich bin beim blättern als Bahnfahrer auf einen Artikel gestoßen (S. 106, mobil 6/2010, ganz am Schluss als „letzte Seite“). Als begeisterter Hobby-Astronom gebe ich offen zu, dass ich bei all den astronomischen und physikalischen Themen weiter nur ein Laie bin, aber mir kam der „Artikel“ im Heft schon etwas seltsam vor. Aus diesem Grund habe ich dann etwas recherchiert und folgenden Artikel gefunden, der auch im Bildblog eine Erwähnung gefunden hat: Weltuntergang 2012, die Deutsche Bahn und mieser Journalismus. Köstlich!

Das Weltuntergangsthema wird von Florian Freistetter auf einfache und aufschlussreiche Weise entkräftet (siehe weitere Artikel des Autors) und die seltsamen Grad- und Weltungangsangaben ad absurdum geführt.

Aber ich frage mich immer wieder, warum heutige Recherchequalitäten und Expertenwissen immer wieder auf der (Bahn-)Strecke bleiben, wo doch das Internet die besten Vorraussetzungen seit Menschengedenken mitbringt, Artikel mit Hirn und Verstand zu verfassen. Fehler können passieren, keine Frage. Und immer wieder ertappt man sich selbst dabei, dubiose Quellen zu zitieren oder Sachverhalte nicht ganz richtig wiederzugeben. Aber bei einer Zeitschrift dieser Auflagengröße mit einer Kundenreichweite von etwas über 1 Millionen Menschen darf man doch gewisse Ansprüche stellen. 😉

Update 15.07.2010: Derzeit kann man den Begriff  „Weltuntergang“ mit dem Wort „Stimmung“ verknüpfen und schon hat man in etwa die derzeitige Lage bei der Bahn beschrieben. Mittlerweile berichtet jeder über die Hitzeausfälle, Beispiel Handelsblatt: Deutsche Bahn rollt von Desaster zu Desaster oder Wenn es im Zug zu heiß wird.

Und wer kennt noch den alten Slogan? Interessant ist dabei die Situation in anderen Ländern. In Frankreich genießt der TGV seit Jahren einen hervorragenden Ruf und in Spanien scheint es derzeit weniger Probleme mit dem heißen Wetter zu geben:

„Rundum zufrieden sind Zugreisende in Spanien. Dort wurde in den letzten zehn Jahren massiv in ein Hochgeschwindigkeits-Netz und in Nahverkehrszüge investiert. Schnellzüge und S-Bahnen bieten den Reisenden bei Hitzewellen zuverlässige Klimaanlagen.“

In Italien herrscht ein ähnliches Chaos wie in Deutschland und auch da wird nur wieder auf das Wetter und den klimatischen Wandel verwiesen. Ein Ausrede, schließlich war ja schon 2003 bekannt, dass die Technik der damals brandneuen ICE3-Zügen an ihre Grenzen geriet. Viel eher hat trifft folgendes zu: Man hat einfach bei der Technik gespart (die Klimaanlagen funktionieren nur bis 32°C problemlos) und die Wartung vernachlässigt! Die Bahn hat sich für billigere Lösungen entschieden und nimmt damit bewusst (!) Ausfälle in Kauf, weil das immer noch billiger ist, als eine angemessene Technik zu kaufen und diese zu warten. Und der Stellenabbau ist dabei immer wieder ein beliebtes Thema, wenns mal gerade keine weiteren schlechten Nachrichten gibt. Klar, dass da die eigenen Mitarbeiter nicht gerade in Lobgesänge ausbrechen, wenn über ihren Arbeitgeber gefragt wird, wie das die BILD mal wieder schön reißerisch dargestellt hat. Aus eigener Erfahrung kann ich allerdings die meisten Punkte so bestätigen. Damit erklären sich teilweise auch die Gewinne der letzten Jahre:

2003: 250 Millionen Gewinn
2004: 280 Millionen Gewinn
2005: 600 Millionen Gewinn
2006: 1,6 Milliarden Gewinn
2007: 1,7 Milliarden Gewinn
2008: 1,3 Milliarden Gewinn
2009: 830 Millionen Gewinn
2010: 1,87 Millionen Gewinn

Wehe, man würde denken, das hätte irgendetwas mit dem geplatzten Börsengang der Bahn zu tun. 😉

Update 30. Mürz 2011: So, ein paar Dinge verändert, köstlich ein Kommentar von CM auf Zeit-Online:

Ich meine damit nicht die unsäglich öden Werbespots und -plakate der Bahn, auf denen Sonderangebote beworben werden, die nur für einäugige, außerirdische Mönche und ihre Zwergpudel in der Neujahrsnacht von 2 Uhr bis 2 Uhr 10 gelten (außer mittwochs, nur auf der Strecke Plön – Husum).

Vom Bahnchaos in diesem Winter wurde ich verschont, dann kamen die Streiks, jetzt warte ich auf den Sommer. Und erwarte wieder zur bekannten Zeit die gängigen Probleme mit defekten Klimanalagen und verspäteten Zügen. Man kann die Uhr danach stellen! Aber vielleicht überrascht mich das Unternehmen, senkt die Preise, kommt pünktlich und bietet mal wieder was an, was man unter dem Namen „Service“ einsortieren könnte. Aber das wäre ja utopisch. 😉

Advertisements
Kategorien:Medien & Internet
  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: