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Vanquish – Contra 3D?


Was wäre wenn? Es gibt ja in den Retrogamer-Zeitschriften die Rubrik, wie neue Spiele auf einer „alten“ Plattform aussehen könnten. Der schwedische Pixelkünstler *jnkboy aka junkboy hat auf seiner Seite einige Beispiele, wie z.B. Bayonetta, Brutal Legend oder Soul Calibur in 2D bzw. 8- oder 16Bit aussehen könnten. Dabei bin ich auf folgendes Bild gestoßen:

Für mehr Infos: Bitte den Autor 'junkboy' kontaktieren: http://www.pixeljoint.com/p/7065.htm

So könnte Vanquish wohl auf dem SNES aussehen 😉

Platinum Games neuster Kracher Vanquish als 16-Bit Schießerei? Ein Anlass, die Vorlage Vanquish mal näher zu betrachten, da sie derzeit das PS3-Laufwerk bewohnt…

Man kann viel über das Spiel selbst schreiben, aber diee Infos kann man gern in diversen Tests oder auf der offiziellen Spieleseite nachlesen. Mir geht es mehr darum, auf die vermeintlichen Kritikpunte einzugehen und mich auf einige wenige, aber entscheidende Pluspunkte von Vanquish zu konzentrieren.

Die Kritik

Steuerung überladen: Ja, das gilt vielleicht am Anfang des Spiels oder wenn man die Demo gespielt hat. Spätestens im 2. Act geht sie ins Blut über, weil man sie einfach beherrschen muss – was aber nicht heißt, dass man sie nicht beherrschen kann.

Im Grunde genommen entspricht sie den gängigen Genre-Konventionen und wurde in wenigen Punkten, wie z.B. der Max Payne’sche Zeitlupenmodus und der neuartigen Driftfunktion erweitert. Springen entfällt dafür komplett und ich gebe zu, im ein oder anderen Moment kann die Deckungsfunktion mit einer Über-die-Brüstung-springen-Einlage vertauscht werden. Aber das kennt man auch aus Uncharted 2 oder Batman: Arkham Asylum – zwei Genre-Perlen, die gemeinhin als überzeugende Vertreter von 3rd-Person-Action genannt werden.
– Eine zu geringe Spielzeit: nach 5 Stunden ist man durch. Das reicht für viele Leute, um den Shooter die Unverhältnismäßigkeit des Preises vorzuwerfen, obwohl der Titel zu mehrmaligem Durchspielen einlädt. Vielleicht nicht gerade wegen der Story, aber wegen des Wiederspielwertes!

Es geht darum, seine Technik zu verbessern, schneller zu werden und die Challenges zu knacken. Erst dann kann Vanquish sein volles Potenzial ausschöpfen. Ich verweise da immer wieder auf Remedys Meisterwerk Max Payne 2. Das konnte man auch in 5 Stunden durchspielen, wurde aber so packend inszeniert, dass man es problemlos 2 oder 3 mal durchspielen wollte (im englischen: Replay-Value, ein Begriff, der aus dem Arcade-Bereich entstanden ist). Meiner Meinung nach sollte es lieber 5-7 Stunden ordentlich knallen, anstatt 15-20 dröger Rumgerenne mit wenigen Höhepunkten.
Fehlender MP-Modus. Ja, Vanquish ist nur allein spielbar und es wäre schön gewesen, mal zu sehen, wie ein MP-Feuerwerk in der Vanquish-Welt ausgesehen hätte. Aber mal ehrlich: Schon Gears of War (Teil 2 zumindest besser, in Ordnung) war im Multiplayer nicht der erhoffte Mega-Titel im Stile eines Uncharted 2 (seltsamerweise einer der besten MP-Titel auf der PS3), Halo, Battlefield oder Call of Duty bzw. Medal of Honor. Vanquish bietet da Potenzial, aber Platinum Games haben sich nun mal auf den Single-Player-Modus konzentriert. Das sollte man beim Kauf berücksichtigen. Ein Coop würde sich anbieten, das ist wirklich ein Punkt, der schade ist. Zu zweit wäre Vanquish sicherlich ein fantastisches Erlebnis!
Leveldesign schlauchartig: Ein Kritikpunkt, den ich nicht mehr verstehen kann, seitdem überall Open-World-Titel herauskommen (müssen). Ja, es wird gescriptet, was das Zeug hält, aber für die Inszenierung ist das nur von Vorteil, siehe Modern Warfare 1 + 2. Die Kampfarenen und Waffen geben genug Möglichkeiten, seine Spielweise „offen“ zu gestalten, man muss deswegen nicht alles auf Biegen und Brechen in einer offenen Welt umsetzen.

Fassen wir zusammen:

Spielzeit etwas kurz
Kein MP-Modus + Coop

Das Positive

Ansonsten gibt es an Vanquish wenig zu kritisieren und das liegt an den folgenden Punkten:

+ Vanquish ist vollgestopft mit Adrenalin! Hier geht es nicht darum, sich lange hinter Barrikaden zu verstecken, hier ist Taktik immer mit Action kombiniert. Eigentlich ist Vanquish ein klassischer Arcade-Shooter: Easy to learn, hard to master! Ja, ich kann im einfachsten Schwierigkeitsgrad in 5 Stunden durch das Spiel rennen – aber will man das? Der Reiz liegt doch gerade darin, seine Spielweise an das Szenario anzupassen und so geschmeidig wie möglich durch die Levels zu ballern – eine Spielweise, die meiner Meinung nach sehr stark alten 8-Bit-Games nachempfunden ist.

+ Vanquish ist atmosphärisch erstklassig! Und das liegt am konsequenten SciFi-Setting mit 80er-Story 😀 , die man wirklich nicht sehr enrst nehmen sollte. 😉 Aber die Japaner von Platinum stellen mit Vanquish ein Kriegsszenario dar, dass so viel mehr Intension bietet, als zig andere Shooter, die derzeit auf dem Markt sind. Die Gegner verhalten sich bei aller Action nicht wie Pappgegner, das Design der Vanquish-Welt kreuzt Halo mit Mass Effect und bietet genug eigenen Japan-Mech-Cyber-Punk-Flair, dass Vanquish mit nichts und niemanden vergleichbar ist und sich damit deutlich vom Shooter-Einheitsbrei abhebt. Ein wenig mag es an P.N. 03 erinnern, was allerdings nicht verwunderlich ist, da dies ebenfalls ein Shinji Mikami-Game ist (neben so Perlen wie der Resident Evil-Serie, Killer7 oder God Hand).

+ Gegenüber Vanquish verkommen alle anderen Shooter zu Kinderfaschingsveranstaltungen, denn nur bei Vanquish ist die Taktrate so dermaßen hoch, dass einem bei den Boss-Fights die Kinnlade runterkracht. Ganz im Bayonetta-Stil kämpft man hier wirklich gegen Bosse, die eine Hommage an die Probotector/Contra-Gegner der 80er Jahre darstellen. Wenn Konami irgendwann wieder Contra wiederbelebt (wie z.B. Castlevania vor kurzem), dann müssen sie sich einfach Vanquish zum Vorbild nehmen: SO müssen Figts inszeniert werden, so muss ein Reboot einer Serie aussehen!

+ Viele populäre Shooter aus der jetzigen Generation werden in Vergessenheit geraten. Wer zockt 2015 noch Call of Duty: World at War, auch wenn es sich millionenfach mal verkauft hat? Aber dann wird man sich noch an Vanquish erinnern, dass alle „realistischen“ Kriegsszenarien trotzt und einen völlig eigenen Weg geht – um dabei noch so ziemlich über jeden anderen Shooter zu spotten, weil der Coolness- und Erlebnisfaktor so viel höher ist.

Bei Vanquish geht JEDE Minute der Punk ab! Man man muss nur mit der Geschwindigkeit klarkommen, um so richtig auf den Adrenalintrip aufzusteigen, erst dann zeigt Vanquish seine wahre Stärke, wie es die Entwickler vor hatten. In unserer heutigen Videospielwelt ist sowas allerdings nicht gerade ein Publikumsmagnet, weil diese Action gern in spannende Zwischensequenzen gepackt wird, um wieder mit drögen Action-Einlage zu langweilen. Da macht Vanquish nicht mit, die Belohnung muss sich der Spieler schon selbst durch seine Spielweise erzielen – unter Umständen durch mehrmaliges Durchspielen, was heutzutage kaum mehr Relevanz hat.

+ Und: Vanquish kommt fast ohne Blut aus! Wo andere Shooter reißerisch den Gore-Faktor nutzen, um Aufmerksamkeit zu erlangen, nutzt Vanquish die durchdachte Spielmechanik und die zu jederzeit fantastische Action-Kulisse. Dass dann auch noch die Kämpfe so viel Laune machen, dass die Abwechslung jederzeit gegeben ist, muss man den Entwicklern hoch anrechnen. Vanquish hätte auch ein absoluter Alibi-Shooter werden können, der nach spätestens 1 Stunde langweilig wird, weil immer nur das gleiche passiert. Nicht unerwähnt sollte Platinums Mad World bleiben, dass ja sehr stark auf den Gore-Faktor abzielt. Aber auch hier muss man differenzieren: Mad World ist im Stile von Christians Volckmans Film Renaissance nachempfunden und nutzt den Gore-Faktor viel mehr als Stilmittel.

Fazit

Vanquish ist ein konsequnt nach alter Schule entwickelter Shooter, der keinerlei Kompromisse eingeht: Kein Genre-Mix mit Schleichpassagen aus Agentenshootern, kein halbgarer Multiplayer-Modus, weil man das sonst so braucht. Vanquish will nur eines: Knallharte und wahnsinnig schnelle Action, das ganze umhüllt in eine intuitive Steuerung und ein Spielsystem, was aus den 80ern sein könnte, dabei aber weder altbacken noch überholt wirkt. Wer sich an Probotector/Contra erinnert, weiß, was ihn bei Vanquish erwartet: Epische Bosskämpfe und keine Sekunde Ruhe.

Zwar nutzt Vanquish gegebene Genre-Konventionen aus Uncharted, Gears of War oder Uncharted, aber insgesamt bietet Vanquish ein Paket, das so nirgendwo zu finden ist. Und damit wirkt Vanquish frisch und lebendig und zeigt, dass auch japanische Entwicklerteams Shooter machen können.

Das kreativie Potenzial in Japan wurde bisher doch viel zu wenig ausgenutzt, wenn man sich Stoffe wie Neon Genesis Evangelion, Ghost in the Shell und Co. anschaut! Auch wenn ich kein Anime-Fan bin und Vanquish auf den westlichen Markt hingebürstet wurde, so ist der japanische Ursprung doch unverkennbar. Und statt so Ramsch wie Chromehounds, Armored Core oder Gundam rauszubringen, der technisch und spielerisch auf Last-Gen-Niveau liegt, sollte man sich in Japan Vanquish anschauen: So müssen Shooter im Jahre 2010 aussehen, das muss nicht immer nur in Europa oder den USA entwickelt werden.

Ich finde es nur ein wenig schade, dass Vanquish teilweise so dermaßen auf den westlichen Markt ausgerichtet ist, denn eigentlich wäre Vanquish noch stärker, wenn es nicht die westlichen Story-Klischees von Gut und Böse austreten würde. Aber who cares? Metal Slug rockt aber auch, obwohl die Story um General Morden einen Bart hatte. 😉

Wertung: [9/10]

PS: Ich empfehle als Lektüre zum Spiel den „Vanquish Signature Series Guide„. Nicht wirklich teuer und man kann Vanquish komplett entschlüsseln und das Buch ist wirklich klasse aufgemacht!

PPS: Die Grundlage für den Beitrag war eine meiner Amazon-Rezensionen, nicht wundern, wenn die eine oder andere Passage schon mal irgendwo gelesen wurde. 😉

Update 02. Mai 2011: Edge-Interview mit Shinji Mikami, ist zwar von letztem Jahr, aber trotzdem sehr lesenswert – gerade für die wenigen PN03-Fans, die es offensichtlich noch gibt. Mehr zu PN03 gibts ebenfalls in der EDGE.

Update 10. Mai 2011: Mal ein Blick auf die kümmerzlichen Verkaufszahlen: Vanquish kommt insgesamt gerade einmal auf 580.000 verkaufte Einheiten. Ich glaube kaum, dass dies arg viel erfolgreicher war, als PN03… 😦

Update 11. Juni 2012: Immerhin sind es noch knapp 840k geworden. Insgesamt wohl kein Erfolg – aber dennoch ein fantastisches Videospielerlebnis!

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Kategorien:Artikel, Videospiele
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