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Daytona USA Review – Gentlemen, start your engines!


Daytonaaaaaaaaa… SEGA hat lange gewartet, um auf den Heimkonsolen in Richtung Daytona USA einen Angriff zu wagen, nun ist es aber vollbracht: Auf XBL kann man schon seit Oktober Gas geben, das PSN folgte Ende November. Doch wie schlägt sich nun das Spiel nach heutigen Standards? Mit weiser Voraussicht, dass es sich natürlich um einen Arcade-Titel handelt, der nur in digitaler Form angeboten wird und selbstverständlich nicht mit Rennspielgrößen wie Gran Turismo oder Forza Motorsport mithalten kann und soll. [Hinweis: Der Artikel ist parallel auf neXGam.de erschienen]SEGA kann auf eine lange Tradition an Spielhallen-Hits zurücksehen, gerade im Bereich der Rennspiele. Von Hang-On (1985) über OutRun (1986) bis hin zum Polygon-Meilenstein Virtua Racing (1992). Letzteres bekam 2005 eine nahezu perfekte Umsetzung im Rahmen der SEGA Classics Collection spendiert. Daytona USA erhielt zwar drei Umsetzungen, aber jede Fassung hatte seine Makel. Wobei man mit der 2001er Fassung auf der Dreamcast eine sehr ambitionierte Version erhielt, mit dessen Steuerungsdefiziten man wohl oder übel leben konnte. Doch nun gibt es den Klassiker in digitaler Form über die Netzwerke XBL und PSN, eine perfekte Plattform, um dem Klassiker neues Leben einzuhauchen.

Aber ob heutzutage noch Geldbörsen gezückt werden, wenn ein Arcade-Dinosaurier online erscheint? Zumal die heutigen Standards nach Fahrzeugen, Strecken und Abwechslung lechzen. Denn zu den Kritikpunkten bei Daytona USA zählt sicherlich der Umfang: Drei Strecken, kaum Fahrzeuge, wenige Spielmodi. Reicht das, um 7,99€ bzw. 800 Points zu verlangen? Rein objektiv gesehen, ist das in der Tat ein bißchen viel Geld, auch wenn der Automat damals wohl wesentlich mehr Münzen verschlungen hat. Anders herum kann man aber auch argumentieren, denn was kostet im Vergleich ein Kinobesuch mit Getränk?

Doch der Reiz liegt nicht an der Vielzahl von Möglichkeiten, sondern in der perfekten Beherrschung der Steuerung. Nur wer die Strecken im Schlaf vorhersagen kann, fährt Bestzeiten. Und hier muss man SEGA ein Kompliment machen: Daytona fährt sich wunderbar (die PS3-Fassung unterstützt das Logitech GT Driving Force). Die Steuerung ist ähnlich wie beim Saturn-Original hervorragend umgesetzt, jedes Einlenken, jeder Drift nachvollziehbar. Und damit kann man schon einmal Stunden verbringen. Wenn man sich darauf einläßt, dass jeder Pixel und jedes Polygon beachtenswert ist und nicht wie heutzutage eine ellenlange „Karriere“ mit unzähligen, gesichtslosen Fahrzeugen und Strecken vorausgesetzt wird. Ein Zwiespalt, der sich für Kenner des Originals sowieso nicht ergibt. Und damit wäre auch die Zielgruppe fest definiert: Spieler, die schon damals begeistert waren.

Im Gegensatz zur technisch schwachen Saturn-Umsetzung, die meist nur in 20 FPS lief, bekommt man nun 720p (16:9) und 60 FPS, was der Präzision deutlich zu Gute kommt. Schön wäre ein nativer 1080p-Modus gewesen, denn ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass damit die Hardware überfordert wäre. Die Grafik ansich wurde nicht aufgewertet, d.h. man kann auch nicht mit der verbesserten Darstellung der Dreamcast-Version rechnen. Alles ist so, wie es damals war, nur in HD gefiltert, ganz dem Vorbild entsprechend. Das mag auf der einen Seite relativ unspektakulär rüberkommen (teilweise gibt es auch die vom Automat bekannten Unzulänglichkeiten zu sehen wie Polygonblitzer und einen sichtbaren Bildaufbau), ist aber für Fans des Originals kaum negativ auszulegen. Trotzdem hätte sich SEGA durchaus dem Aufwand stellen dürfen, eine technische Frischzellenkur anzubieten. Das sowas geht, zeigt eindrucksvoll Halo: Anniversary. Aber hier handelt es sich auch um einen Vollpreistitel.

Größtes Problem der Daytona-Vorgänger: Bei Daytona USA CCE (Saturn) und Daytona USA 2001 (Dreamcast) wurden zwar Umfang und Technik verbessert, jedoch an der Steuerung unnötigerweise rumgefummelt, teilweise bedingt durch die Wahl der Engine (siehe CCE). Dadurch wurde im Prinzip das fantastische Gameplay zerstört: Bei Daytona USA in der Spielhalle ging es vorrangig darum, das eigene Fahrzeug so perfekt wie möglich um die Kurven driften zu lassen und wenig (bremsende) Kollisionen einzugehen. Besonders beim Multiplayer-Modus war dies reizvoll, da hier die unbekannte Komponente der menschlichen Fahrweise eine wesentliche Rolle spielte. Das ist nun für bis zu 8-Spieler online möglich, wobei das Geschehen nicht ganz lagfrei, aber insgesamt doch ordentlich abläuft.

Wer eher allein seine Runden dreht, muss sich zwangsläufig auf die Motivation von Bestzeiten beschränken. Es gibt zwar noch ein paar Challenges und den witzigen Karaoke-Modus samt Kult-Musik („Daytonaaaaaa…“, purer Trash und einfach gut 😉 ), aber ansonsten hält sich der Umfang arg in Grenzen. Einen Split-Screen-Modus gibt es nicht und auch sonst kommt Daytona USA spartanisch daher, wie eben ein Arcade-Automat aus dem Jahre 1993. Dort hatte man allerdings auch ein Cabinet samt Force-Feedback-Lenkrad, dröhnenden Boxen und den Reiz des Münzwerts, so lange wie möglich zu spielen. Das kann sich in Daytona USA durchaus in Grenzen halten, wenn man rein nach Unterhaltungswerten sucht.

Und trotzdem hat es Daytona USA geschafft, mich meherere Abende vor den TV zu spannen, bei allen anderen reizvollen Unterhaltungsprodukten. Warum? Weil es so herrlich simpel gestrickt ist. Es schafft, dieses Gefühl von Überlegenheit aufzubauen, wenn man perfekt um die Kurven driftet, wenn man sich wirklich mit jeder Kurve auseinandersetzen muss, wenn die rempelnde KI zick-zack fährt und wenn der Adrenalin-Pegel steigt. Und dieser ist dank der perfekten Steuerung nach all den Jahren endlich auf einem Niveau, wie man es erwarten kann!

Ein Fazit ist deshalb schwierig zu schreiben. Daytona USA richtet sich natürlich an die Fans des Originals und es bleibt abzuwarten, ob sich genug Leute für den Klassiker begeistern können. Die Voraussetzungen sind gegeben, aber wer sich nicht ganz in die Zeit der 90er zurückversetzen will, der wird es schwerer haben, den Reiz des Spiels zu erkennen. Der Preis ist allerdings fair und die Umsetzung nahezu perfekt. Somit muss jeder für sich selbst entscheiden, ob man sich anstecken lassen will oder Daytona USA als gealterte Nostalgie-Umsetzung abstempelt.

+ Quasi 1:1-Umsetzung
+ 720p und 16:9 in 60 FPS
+ Steuerung einwandfrei
+ Online-Modi

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– Umfang gering
– Technik ohne Aufwertung

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Musik: 7/10
Grafik
: 6/10
Gameplay
: 9/10
Multiplayer: 8/10
Playfun (Gesamtwertung): 8/10

[1: sehr schlecht | 2: schlecht | 3: mies | 4: schwach | 5: mäßig | 6: durchschnittlich | 7: gut | 8: sehr gut | 9: super | 10: Meilenstein]

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Entwickler: SEGA AM2
Herausgeber: SEGA Enterprises Ltd.
Erscheinungsdatum: 25./26. Oktober 2011 (Nordamerika)
Plattform
: XBL/PSN
Genre: Arcade-Racing
Spieler: 1 (2-8 online)
Version
: PSN
Sprache
: Englisch
USK: –

Preis: 800 Points /XBL; 7,99€ (PSN)

  • Für Fans von Arcade-Racern wie Ridge Racer, Out Run 2, Virtua Racing und Sega Rally.
  • Weniger geeignet für Fans von Spielen wie Gran Turismo, Forza Motorsport oder Need for Speed.
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Kategorien:Reviews, Videospiele
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