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Thunder Force IV (Genesis/Mega Drive) – Meilenstein oder technisches Blendwerk?


In den USA besser bekannt unter dem Titel Lightening Force

Wir schreiben das Jahr 1992. Die Videospielwelt wird von Jump ’n Runs, Beat ‚em Ups und Shoot ‚em Ups dominiert. Auf SEGAs Mega Drive ballert sich seit Jahren eine Serie in die Shoot ‚em Ups-Herzen der Spieler: Thunder Force! Genauer gesagt: Seit Teil 3. Dort wird das Mega Drive erstmals technisch ausgereizt, dass es kracht. Ende 1992 erscheint der vierte Teil – und stellt eindrucksvoll die technische „Scrolling-Überlegenheit“ des Mega Drive unter Beweis. Doch ist es rückblickend gesehen ein Meilenstein oder nur ein technisches Blendwerk geworden?

Die Wertungen der damaligen Zeit sprechen für sich (mehr unter Mobygames):

Das klingt alles gut, allerdings ist dies nicht der Wertungsolymp, den man bei Radiant Silvergun, Ikaruga oder Axelay antrifft. Nun hat natürlich jeder Spieler seine Geschmäcker und ich glaube auch, dass man nicht defintiv sagen kann, das es DEN heiligen Gral der Shmups gibt. Dazu ist das Genre auch zu unterschiedlich ausgerichtet. Vielleicht sollte man hier einen Schnitt machen und Thunder Force IV (im weiteren Verlauf: TFIV) auf einen Vergleich innerhalb der 16-Bit-Welt beschränken, zumal die Sache in Dingen „vertikales/horizontales Gameplay“ noch schwieriger wird.

Zu aller erst stellt man fest: TFIV ist in einer Umbruchphase entstanden. Das Shmup-Genre definierte Anfang der 90er Jahre nicht mehr die goldene Zeit der Arcade-Games. Angesagt waren vor allen Dingen Fighting-Games à la Street Fighter II und Mortal Kombat. Shmups erfreuten sich zwar weiterhin großer Beliebheit, aber der R-Type-Hype begann allmählich nachzulassen. Viele Entwickler, darunter auch Irem (R-Type series) oder Seibu Kaihatsu (Raiden series), begannen damit, die technischen Grundlage der 16-Bitter auszureizen.

Getreu dem Motto „schneller, weiter, höher“ entwickelte Technosoft die eigene Serie vom eher drögen TF2 zum technisch imposanten TF3 (die Play Time Wertung ist übrigens grober Unfug 😉 ) weiter. Mit TF4 ging man eine Stufe höher und erreichte damit den technischen Endpunkt des Mega Drives! Mehr ging einfach nicht! TF4 litt teilweise unter heftigen Slowdowns, weil zu viel auf dem Schirm abging, aber blieb dennoch die meiste Zeit spielbar.

Spielerisch hingegen gab es evolution statt revolution: Wer das Spiel knacken wollte, musste sich so oder so durch den teilweise frustrierenden Schwierigkeitsgrad durchkämpfen. Belohnt wurde man in jeder Sekunde und das ist bis heute ein sehr motivierendes Element des Spiels an sich: unglaublich aufwändige Endbosse, überwältigende Effekten wie zig Parallax-Scrolling-Ebenen (inkl. Farbwechsel) und tonnenweise animierten Objekten. Quasi der Vorbote der Bullet-Hell-Shmups wie DonPachi (1995, Cave) oder Terra Driver (1996, Raizing). Man will einfach wissen, wie es weiter geht und die Neugier treibt einen an.

Dazu der fantastische Soundtrack und eine Steuerung wie aus dem Lehrbuch: nachvollziehbare Hitzones, abwechslungsreiche Gegnerformationen und fordernde Endbosse. Nichts blieb dem Zufall überlassen, denn hier saßen bei Technosoft wahre Shmups-Fans am Werk.

Interessant ist, dass z.B. R-Type III auf dem SNES eine an TFIV-angelehnte Parallax-Sequenz zu Anfang des Spiels nutzt, um den Spieler mit ins Geschehen zu ziehen (Vgl. TFIV vs. R-Type 3). Für viele weitere Titel war TFIV so etwas wie ein Richtwert, aber teilweise auch das Ende der 16-Bit-Fahnenstange. Was sollte man noch bieten?

Spielerisch darf man sich streiten, denn nicht jeder mag dieses Sprite-Choas auf dem Bildschirm und ein richtiges Punkte-Management gibts so eigentlich auch nicht. Nimmt man retrospektivische Reviews als Maßstab, so sind die Wertungen heute kultverdächtiger als damals:

Segadriven.com: „Other than that, shmups don’t come much better than this.“ – 9/10

hardcoregaming101.net: „Even from the get-go, Thunder Force 4 provides enough action to (cliche warning!) keep the gamer on the edge of his chair.“ – 9/10

Pixel-Heroes.de: „Ansonsten bleibt mir nur zu sagen, dass mit „Thunder Force 4“ mit Abstand eines der besten Spiele auf dem Mega Drive programmiert worden ist.“ – 10/10

NeXGaM.de: „Boxen an das Mega Drive anschließen, voll aufdrehen, Licht aus und ab geht‘s! Ihr werdet es nicht bereuen…“ – 95%

Shmups.com: „One that really set the scene for things to come.“ – 10/10

Sega-16.com: „It’s Technosoft’s finest hour, and without question a must-have to your collection.“ – 10/10

Jeux-Video.com: „Thunder Force IV est le meilleur shoot’em up à scrolling horizontal de la Megadrive.“. – 18/20

Natürlich würde ich dem Titel ebenfalls eine 10/10 geben, denn es ist das 16-Bit-Ereignis, wenn man Shoot ‚em Ups mag. Es gibt kaum Spiele, die es aus der 16-Bit-Zeit mit TFIV aufnehmen können. Vielleicht Axelay, vielleicht R-Type 3, vielleicht Gleylancer, vielleicht Apydia. Aber insgesamt gesehen fegt TFIV damit den Boden!

Doch warum begrüßte man 1992 (1993 in PALien) TFIV nicht ganz so enthusiasitsch wie heute? Vielleicht, weil nicht mehr die Masse an Spielen nachkam, die man noch 1992 erwartet hätte. Oder die Tester waren einfach satt, denn in den Jahren zuvor gab es fast monatlich neue Tests zu Shoot ‚em Ups, mit wenig Variationen. Eine Übersättigung quasi, die es ja in viele Genres gab und immer noch gibt. Und spätestens mit Erscheinen von PSX und Saturn wurde aus dem vormals massenmarkttauglichen Spielprinzip ein Nischen-Genre, was es im Prinzip bis heute geblieben ist, dafür mit einer harten und loyalen Fan-Base (um mal beide Links loszuwerden 🙂 ).

TF5 z.B. erschien schon gar nicht mehr in PALien und auch andere Serien wie Raiden taten sich schwer, den westlich-europäischen Markt gezielt anzusteuern. Somit erschienen dann später auch Titel wie Radiant Silvergun ausschließlich in Japan. Wobei es ja immerhin mit XBL ein Medium gibt, um die Spieledistribution weltweit auch für Nischen-Titel zu öffnen. Gerade TFIV schreit förmlich nach einer digitalen Wiederbelegung. Sogar als Remake würde es sich anbieten.

Angesichts der andauernden Empfehlungen in Foren und Bestenlisten würde ich jederzeit behaupten, dass TFIV ein Meilenstein des Genres geworden ist. TFIV ist für mich das, was ich von einem Shmup erwarte: Viel Krach, ein forderndes Waffensystem (unerreicht bleibt allerdings Gradius) und ein optisches Feuerwerk. Wer hier durch muss, muss seine Daumen zum glühen bringen. Damit hat es definitiv einen Meilenstein-Charakter, denn es diente für viele kommende Spiele als Richtwert, was auf dem Schirm geboten werden musste. Die Begeisterung ist jedenfalls ungebrochen und jeder Action-Fan sollte unbedingt mal in den Titel reinschauen:

Und wenn wir schon beim Thema sind: Für die Dreamcast ist ja Sturmwind angekündigt, welches ähnliche Wege wie TFIV geht. Da ich solche Titel (wie auch Söldner-X 2: Final Prototype, Jets ’n Guns oder The Reap (allerdings isometrisch, Housemarques [Super Stardust] erster Streich) oder Gradius V) spitzenklasse finde, werde ich mir den DC-Shooter hoffentlich demnächst näher anschauen können.

Wertung: [10/10]

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Kategorien:Artikel, Videospiele
  1. Flat Eric
    4. April 2012 um 09:08

    Mir geht es so bei rundenbasierten JRPGs. 🙂

  2. 3. April 2012 um 13:25

    Bin zwar mit dem Mega Drive aufgewachsen, aber konnte schon damals irgendwie nix mit dem Shmup-Genre anfangen. Technisch aber sicher ein Vorzeigetitel gewesen.

  1. 17. Mai 2013 um 14:57

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