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Beendet: Garfield – Caught in the Act


Durchgespielt: Garfield, ca. 70 Minuten Durchlaufzeit.
Preis: Mega Drive ca. 8-20 Euro

Wer in den 90er Jahren Garfield-Fan war und sich auf ein mögliches Videospiel gefreut hat, wurde enttäuscht: Es gab im Prinzip nur ein einziges Spiel (wenn man die Lizenz-Verwurstung Garfield Labyrinth mal wegläßt): Garfield – Caught in the Act  (Wiki|MG|NinR) aka Garfield in TV Land!

Das Spiel wurde direkt von SEGA entwickelt (Mega Drive exklusiv). Es erschien zum Weihnachtsgeschäft 1995 und war mit Comix Zone und Vectorman (bzw. dessen Nachfolger) einer der letzten „großen“ 16-Bit-Titel von SEGA für das Mega Drive. Es gab Gerüchte zu einer 32X-Version des Spiels, aber aufgrund mangelnden Erfolgs von Peripherie-Konsole und Spiel, wurde die Umsetzung eingestellt.

Zeit, den Titel nochmal genauer anzuschauen.

Das Spiel

Die Story ist schnell erzählt und wird wunderbar durch Original Jim Davis‘ Cartoons bebildert:

 
 
 
 

Garfield ist nun im Fernseher gefangen und muss sich durch diverse Klischee-Szenarien durchschlagen, um wieder herauszukommen. Dabei kann er zahlreiche Gegenstände einsammeln und mit diesen die Gegner bewerfen. Im Nahkampf wehrt er sich mit etwas uneffektiven Knochen oder Tatzen. Dabei können die zahlreichen kleinen Gegner sehr auf die Nerven gehen. Die Steuerung an sich ist präzise und geht nach ein wenig Übung locker von der Hand. Man darf sich nur nicht stören lassen, immer wieder unfair getroffen zu werden.

Die Gegenstände in den Levels. Gesucht: Die magische Fernbedienung, um ins nächste Level zu kommen.

Grafisch ist vor allen Dingen Garfield wunderbar animiert. Mal klammert er sich an einem Felsvorsprung, ein andermal steppt er vor der Kamera. Für Fans des gefräßigen Katers eine wahre Freude. Auch die Hintergründe überzeugen und strotzen nur so von bunten Farben, das Scrolling ist butterweich und die vielen animierten Objekte tragen zu einem cartoon-artigen Vergnügen bei. Leider fällt die Soundkulisse etwas ab, störend finde ich sie allerdings nicht.

Etwas weniger gut gefällt das Spieldesign: Die Levels sind zwar allesamt liebevoll gestaltet, die Gegner wurden jedoch immer wieder richtig unfair platziert. Der Schwierigkeitsgrad fällt relativ niedrig aus, denn bevor Garfield ein Leben verliert, muss er zehnmal getroffen werden. Am Ende der recht kurzen Levels gibt es Bossfights, die in der Regel etwas zu hektisch ausfallen.

Insgesamt gibt es 6 Level:

Count Slobula’s Castle Ein typisches Dracula-Setting. Man wirft Totenköpfe und kämpft gegen nervige Fledermäuse. Garfield hat ein Dracula-Kostüm an und muss sich gegen schaurige Gegner durchkämpfen, um an Ende Count Slobula zu besiegen. Der Level ist für meinen Geschmack am Anfang nicht gut gewählt, da er doch etwas schwerer ausfällt.
Revenge of Orangebeard Der typische Piratenlevel, Garfield kann nun Bomben auf seine Gegner werfen und trägt eine Piratenmütze. Leider gibt es für meinen Geschmack zu viele „UFO-Gegner“, die aus allen Richtungen auf Garfield zustürmen bzw. schwimmen. Das Parallax-Scrolling weiß zu überzeugen. Nach dem Boots-Abschnitt geht es in den Jungel, um das Piraten-Skelett zu besiegen.
Cave Cat 3,000,000 BC Einer der witzigsten und besten Level im Spiel: Garfield als Säbelzahntiger, er darf Fischgräten werfen und in insgesamt vertikal orientierten Leveln umherspringen. Der Frustfaktor ist hier etwas niedriger als in den anderen Leveln, was wohl der Anlaß war, den Level in der später erschienenen PC-Version als Start-Level zu verwenden. Der Endgegner ist ein Odie-Dinosaurier.
Catsablanca Ein „schwarz-weiß“ Level, erinnert doch sehr stark an Mickey Mania. Im Film-Noir stil, inklusive Trenchcoat-Hut darf Garfield durch Türen gehen und an der Fassade hochklettern. Der Frustfaktor ist ziemlich hoch, da von überall Gegenstände auf Garfield geworfen werden. Der Endgegner ist ein bombenwerfender Hund, recht einfach zu besiegen.
The Curse of Cleofatra Ein eher rätsellastiger Level mit vielen Schaltern und Hebeln. Insgesamt anspruchsvoller, ruhiger aber mit teils nervigen Sprungpassagen. Optisch aber wunderbar, wie Garfield hier in Tutanchamun-Verkleidung umherrennt. Am Ende steht noch eine Sphinx im Weg, die schnell besiegt wird.
Garfield faces the electronic monster Eigentlich kein richtiges Level, sondern nur der Bossfight gegen den „Glitch“.

Entwicklung

Für  Abonnenten des erfolglosen SEGA Channel gab es weitere Level (die sog. „Lost Levels“) per Download [Quelle], wobei es nur spärliche Informationen gibt und die Spekulationen überwiegen:

  • Bonehead the Barbarian: Ein Wikinger-Level
  • Slobbin Hood: Ein Robin-Hood-Level
  • Alien Landscape: Der Alien-Level vom PC
  • eventuell eine Abwandlung des Catsablanca-Levels

Das Garfield-T-Shirt [Quelle: klick ins Bild]

Die ersten beiden Level sind immerhin in der guten Game Gear Fassung enthalten, die PC-Version bekam den Alien-Level. Dies deckt sich mit einem T-Shirt, welches Jim Davis für das Spiel fertiggestellt haben soll und das 9 verschiedene Garfield-Kostüme zeigt, wobei der Piraten-Level fehlt und ein Caesar-Garfield auf ein mögliches „Römer-Level“ hinweist, zu dem es keinerlei Infos gibt. Vielleicht ist letzteres vor der Produktion für den Piraten-Level rausgeflogen. Und es gab womöglich noch eine Zusatzlevel zu Catsablanca auf einem Zug.

Interessant: Die Gamers 11/95 spricht von „fahrenden Zügen“. Im endgültigen Spiel gibt es diese aber nicht mehr. Zudem ist die Rede von 7 Leveln und es wird ein Screenshot einer Eiswelt gezeigt. Die Maniac spricht von einem Alien-Outfit und einer „morbiden Felslandschaft“, wobei damit eigentlich nur der Alien-Level der PC-Version gemeint sein kann.

E3 1995 Screenshot vom Catsablanca Train-Level.  [Quelle: klick ins Bild]

Die PC-Fassung (erschien ein halbes Jahr später) besitzt übrigens auch eine veränderte Levelstruktur: Es beginnt mit dem Urzeit-Level, dann Ägypten und erst danach geht die Reihenfolge wie auf dem MD weiter. Da die PC-Version auch den exzellenten CD-Sound besitzt, würde ich sie insgesamt als beste Fassung einstufen, ich kann allerdings nicht darauf zurückgreifen.

Es wurde wohl so oder so angedacht, das Spiel umfangreicher zu veröffentlichen. Aber aufgrund des Zeitdrucks (Weihnachtsgeschäft 1995) und der schwierigen Ausgangssituation (Mega Drive 7 Jahre auf dem Markt, der Saturn erst kurze Zeit auf dem Markt und gehörig unter Druck) ist das Spiel leider nur so erschienen, wie es ist, obwohl es genug Anzeichen für eine komplette Garfield-Fassung gibt.

Die Gamers 11/95 zeigt einen Screenshot des fehlenden Wikinger-Levels. [Quelle: klick ins Bild]

Die europäischen Spieler hatten damit keine Chance, das komplette Spiel zu erhalten (mit allen Levels vielleicht sogar als 24MBit Modul, wie die Gamers schreibt? So waren es „nur“ 16MBit) und mir ist persönlich nicht bekannt, ob die SEGA Channel Levels  in irgendeiner Art und Weise noch reproduzierbar sind. Mehr kam jedenfalls nicht, denn Garfield stellte nach Eternal Champions: Challenge from the Dark Side das letzte Spiel des Entwicklerteams dar.

Fazit

Garfield auf dem MD macht insgesamt eine gute Figur. Das Gameplay ist zwar etwas zu hektisch (lag es vielleicht am Umfeld? 😉 ) und man merkt ein wenig den fehlenden Feinschliff. Die generelle Kritik, das Spiel sei zu schwer, kann ich allerdings nicht nachvollziehen: Es gibt überall im Level Pizzen oder Hamburger, die ein Weiterkommen sehr erleichtern. Wer sich nicht von der allgemeinen Hektik anstecken läßt, bekommt ein wunderbar animiertes Stück Software, das damals zu unrecht als mittelmäßig und belanglos abgestempelt wurde (Alle Reviews unter Ninretro: Video Games 12/95 59%; Mega Fun 11/95 54%; Gamers 11/95 3-). Die Mega Fun unterschlägt das Passwortsystem, testete vielleicht aber eine Vorfassung, denn genau wie die Gamers scheint das Spiel mit dem Cave Cat Level zu beginnen. Das Manaic-Review (65%) fiel inhaltlich noch am positivsten aus und entspricht damit weitestgehend meiner eigenen Meinung.

Mit Sicherheit hätte Garfield „besser“ werden können, aber Jump ’n Run- und vor allen Dingen Garfield-Fans sollten unbedingt mal reinschauen.

Wertung: [6/10] 

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Kategorien:Beendet, Reviews, Videospiele
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