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Beendet: Little Samson


Durchgespielt: Little Samson (Wiki|NR|MB|KB), ca. 110 Minuten Durchlaufzeit.
Preis: ab 100 Euro

Nach langer Zeit bin ich nun mal dazu gekommen, ein kleines Review zu Little Samson für das NES zu schreiben. Es ist echt ewig her, dass ich das Spiel durchgespielt habe und mittlerweile gehört es mit zu den teuersten Spielen, die für das NES erhältlich sind. Im Retrogamer Heft 101 wird es im NES-Collectors Guide explizit genannt und da sich das Spiel vor allen Dingen in den USA sehr schlecht verkauft hat, ist es mittlerweile ein wirklich seltenes Spiel. Doch wie ist es nun? Hier eine kleine Rückschau…

Der Hintergrund

März 1993. Das Super Nintendo ist in Deutschland seit fast einem Jahr auf dem Markt und ich habe immer noch kein Geld zusammen, um mir es mir zu leisten. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als weiter auf dem NES zu daddeln und da kommt mir natürlich alles recht, was noch erscheint. Immerhin erschien mitte ’92 noch der NES-Kracher Bucky O’Hare (das wird mal ein anderes Mal näher betrachtet), welches für mich als eines der besten NES-Spiele überhaupt gilt und da hieß es: Weiter Ausschau halten nach potenziellen Klassikern!

In der Videothek gab es damals eine NES-Sektion. Mit freundlicher Unterstützung eines Kumpels konnte ich das Spiel ausleihen. Kam neu rein und klang für mich nach wie ein Nachfolger von Little Nemo: The Dream Master, ein vorzüglicher Hüpfer aus dem Jahre 1991 (in Deutschland erst zu Weihnachten ’91 erhältlich).

Kurz auf die Rückseite der Verpackung geschaut: Bunte Grafik, schöne Screenshots, das hat damals schon für Spielekäufe gereicht. Das Wochenende war jedenfalls gerettet, denn Little Samson war ein Volltreffer! Auf leicht durchgespielt, gab es noch kein „echtes“ Ende, das musste dann erst auf „normal“ nachgeholt werden. So viel dazu: Wer es das erste Mal spielt, gleich auf „normal“ testen, wobei der Schwierigkeitsgrad schon sehr knackig ist. Mega Man Veteranen fühlen sich dabei angesprochen. Es gibt aber zum Glück ein vierstelliges Passwortsystem.

Eine Sache blieb mir aber immer verborgen: Warum wurde das Spiel Little Samson genannt? Samson, der Name, war mir nur aus dem alten Testament bekannt und meine erste Vermutung, es würde sich vielleicht um ein religiös-angehauchtes NES-Spiel handelt (ich verweise nur mal auf den AVGN und seine „Bible Games„), wurde (zum Glück) dann nicht bestätigt. Samson ist jedenfalls ein netter Charakter, der keinesfalls unter Wutausbrüchen leidet oder übermäßig stark ist.

Die direkte Übersetzung wäre etwas passender: Lickle: Legend of the Holy Bell. Also eher: Little: Die Legende der heiligen Glock. Wahrscheinlich hat da noch der passende Name gefehlt und man entschied sich für Samson.

Im Spiel

Im Spiel selbst geht es um vier Helden (Samson, Kikira der Drache, Gramm der Golem und eine kleine Maus, mit starken Minen), die, mal wieder, die Welt retten müssen. Die Story ist wirklich nicht der Rede wert, kommt aber im Spiel ohne Text aus! Perfekt für jede Lokalisierung und für eine schnelle Markteinführung. War das eine Entscheidungs Taitos?

Jeder Charakter hat eigene Fähigkeiten und sie lassen sich jederzeit im Spiel anwählen: Mal muss man durch eine kleine Höhle kriechen, dann über Stacheln laufen oder über Abgründe schweben. Samson ist dabei der durchschnittlichste Charakter und am Anfang neigt man dazu, nur mit ihm zu spielen (er verschießt übrigens „Glocken“, vielleicht erklärt dies den japanischen Titel des Spiels?!).

Spielerisch ist Little Samson eine Mischung aus Mega Man und Bucky O’Hare, also nicht gerade die schlechteste Mischung. Die Charaktere können Präzise über den Schirm bewegt werden, hangeln sich an Mauern und Decken fest, springen, so, wie man es will und können sich mit Schüssen (Samson und Kikira), Schlägen (Gramm) oder Minen (Maus) gegen die Gegner durchsetzen. Dabei übersieht man oft, dass die Minen der Maus sehr stark sind, aber auch schwierig zu platzieren sind.

Am besten hat mir natürlich Drache Kikira gefallen: Der Drache kann eine Zeit lang in der Luft schweben und ballert mit Turbo Funktion traumhaft schnell (z.B. via NES Max oder Advantage). Ich würde jedem Spieler dringend dazu raten, dieses Spiel (wie so viele andere) nur mit entsprechender Hardware zu spielen, denn ansonsten wird es doch arg mühsam.

Technisch ist das Spiel ein Traum, da reicht es sich einfach die Screenshots anzuschaun:

Die detaillierte Karte der Oberwelt

Die Hintergründe sind fantastisch!

Gramm ist langsam, aber stark.

Die Maus ist zwar schnell und kann hoch springen, aber steckt nur wenige Treffer ein.

Samson gegen den mächtigen Endboss.

Die Zwischensequenzen kommen allesamt ohne Texte aus.

Die Entwickler

Über die Entwickler Takeru ist mir kaum was bekannt, Taito hat das Ganze dann auf den Markt gebracht. Mobygames gibt wenig Infos preis. Ich finde es interessant, dass Takeru ein Software-Label der Brother-Druckerfirma war. Mir sind sonst keine weiteren Spiele der Firma bekannt. Dafür von Hauptdesigner Shinichi „Yossan“ Yoshimoto. So kommen Capcom-Anlehnungen nicht von ungefähr, denn Yoshimoto war für  für Ghouls’n Ghosts (Capcom, Arcade 1988) und Strider (Capcom, Arcade 1989) verantwortlich. Unterstützt wurde er durch  Akira Kitamura (Mega Man und dessen Nachfolger) und am Anfang noch von Kouichi Yotsui, dem Strider-Mitbegründer, der allerdings vor der Entwicklung von Little Samson das Team verließ.

Der Game-Historian nennt noch weitere Spiele (z.B. Nostalgia 1907, das leider nur in Japan erschien) und skizziert die Entwicklung Takerus (wobei mir nicht ganz klar ist, woher er die Infos hat), aber es ist so oder so klar: Hier war Know-How am Werk! Im Prinzip Capcom at its best! Leider war es auch das letzte Spiel für eine Plattform, die vor allen Dingen in Japan und in den USA am Ende war und die fast ohne Werbung auskam. Es erschien in Deutschland und bis auf ein Review hatte ich nirgendwo davon gelesen.

Fazit

Die 69% der Videogames von damals kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Das Spiel gehört auf jeden Fall zum Besten der Besten Titel des Brotkastens, das machen schone die GameFaqs-Reviews deutlich. Hier mache ich es mir einfach, denn ich kann Hardcoregaming nur beipflichten:

Little Samson has it all: Gorgeous graphics, vibrant music, solid gameplay, an even difficulty curve, and decent length (approximately an hour for skilled players) over numerous levels with good variety. It may not do anything particularly innovative, but what it does, it does with fantastic vigor.

Bei einer Sache stimme ich allerdings nicht zu: Der Sound ist nervtötend! Er fängt immer wieder von vorn an, wenn man den Charakter wechselt. Und düdelt dabei unerträglich vor sich hin, da die Musik so z.B. nie wirklich zum Geschehen auf dem Screen passt…

Trotzdem: Little Samson ist mehr als ein Grafikblender, die Steuerung so ultra präzise und genau, dazu die technische 8-Bit-Spitze. Wäre das Spiel nur nicht so teuer, würde ich es euch sofort weiterempfehlen. So müsst ihr selbst wissen, ob euch die vielen Euros wert sind. Ein Gutes hat die Sache: Der Preis dürfte weiterhin stabil bleiben. Ich ärgere mich ein wenig, dass ich das Spiel nie gekauft habe, aber selbst in den Geschäften damals, habe ich es kaum gefunden.

Es reicht nur leider nicht ganz zum Olymp, denn Little Samson hätte ein wenig abwechslungsreicher sein dürfen, was die Gegner angeht. Und vielleicht wäre es auch schön gewesen, die Wafffen aufzurüsten. So bleibt Little Samson zwar ein Spitzenspiel, aber muss sich trotzdem von Mario (SMB3) und Kirby geschlagen geben.

Wertung:
[9/10]

Weiterführende Reviews:

Kategorien:Beendet, Reviews, Videospiele
  1. meanbean
    21. September 2012 um 22:34

    Hach, ich freu mich schon auf den Bericht zu »Bucky O’Hare«!

  2. Roberto
    17. September 2012 um 21:06

    Scheint ja für NES Verhältnisse sehr gelungen zu sein, aber 100 € werden wohl wirklich nur Sammler bezahlen. Dreistellige Summen hab ich bislang nur zwei mal für ein Spiel gezahlt.

  1. 11. März 2013 um 13:50

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