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Xbox One – Wie man die Kundschaft systematisch vergrault


Es gibt ja wirklich viele Infos zu den kommenden Konsolen PS4 und Xbox One. Was aber zur Zeit bei Microsoft abgeht, das kann man nicht so recht verstehen. Die Konkurrenz kommt nun mit stärkerer Hardware auf den Markt, kostet $100 weniger, man verzichtet auf verbindliche Gesten-Steuerung und dann gibt es dieses ganze PR-Disaster zu den Kundenfragen, die ich ehrlich gesagt, für nicht ganz unwichtig halte.

Denn die Attraktitvität des Gesamtproduktes lässt mittlerweile sehr zu wünschen übrig. Aber mal der Reihe nach. Ich hatte mir mal vor 2 1/2 Jahren Gedanken gemacht, wie die Konsole der Zukunft aussehen könnte. Der Blogbeitrag war in Teilen dem persönlichen Frust geschuldet, dass Sony seinen Linux-Support auf der PS3 wegrationalisierte.

Die PS3 hat trotzdem weiterhin so ihre Vorteile: Man kann Spiele importieren oder aus anderen Stores Demos saugen, man wird nicht ständig an sein „Heimatland“ gegängelt und bekommt einen kostenfreien Online-Modus. Die X360 hat andere Vorteile, die man sicherlich nicht unter den Teppich kehren sollte (Cross-Game-Chat, eine günstige Hardware, den „besseren Online-Service“, eine für ihr Alter gute Hardware,…).

Der Beitrag war überspitzt formuliert und ein wenig reißerisch geschrieben. Natürlich sind bestimmte Entwicklungen gekennzeichnet von neuen Methoden, Kunden zu binden. Aber das, was derzeit die neue, heile Gaming-Welt Microsofts werden soll, spottet jeglicher Beschreibung. So grotesk, dass man es kaum für möglich halten mag.

Klar ist: Microsoft hat sich viele Gedanken gemacht. Das machen die nicht einfach so, weil sie Lust daran haben, ihre Kunden zu vergraulen. Aber das, was bei diesem PR-Disaster beim Kunden ankommt, ist blanker Hohn: Also ob man mit Kunden umgehen könnte wie mit unvernünftigen Gören, die man zu jederzeit maßregeln müsse [Quelle NexGam]:

  • Kinect muss zwingend immer angeschlossen sein: Es ist ja einerseits nett, dass sich Microsoft Gedanken macht, wie eine Konsole zu steuern ist. Und es ist bekannt, dass sich Features vor allen Dingen nur dann umsetzen lassen, wenn sie verpflichtend eingeführt werden. Aber ein Kinect-Zwang? So will das Microsoft nicht nennen. Aber ein „Big Brother is watching you“ direkt im Wohnzimmer wäre die genialste Marktforschungsplattform überhaupt: Wieviele Leute sitzen im Schnitt vor der Konsole? Kann man die drum herum vielleicht identifizieren? Könnte man dann nicht auch mehr Geld verlangen, z.B. einen Film doppelt berechnen? Jetzt kann man entgegenbringen: „Nene, das dient ja nur zur Bewegungssteuerung!“ Wer aber weiß, was er in den AGBs alles bestätigt, braucht sich nicht wundern, wenn die Privatsphäre weiter mit den Füßen getreten wird.
  • Die Xbox One muss 1x alle 24h online mit den Microsoft Servern kommunizieren, ansonsten laufen die erworbenen Spiele nicht mehr. Lediglich TV und Blu Ray Player Funktion bleiben offen. Seid ihr mit eurem Profil bei einem Freund angemeldet, sinkt diese Phase sogar auf 1 Stunde herunter: Das ist für mich „Always-On“. Nichts anderes. Permanent online sein, permanent überprüfbar sein, permanent Datenströme erzeugen, Daten sammeln und auswerten.
  • Ihr könnt euer Spiel 1x einem Freund ausleihen, der dies dann kostenfrei zocken kann. Dieser muss aber mindestens 30 Tage schon in euerer Freundesliste sein: 2 Freunde sieht das System wohl nicht vor. Man stelle sich vor, man möchte das betagte Halo 3 an einen Kumpel ausleihen und die Konsole meldet: „Nö. Ist nicht drin. Hattest du damals schon deinem Nachbar ausgeliehen, so geht das nicht!“
  • Verkaufen könnt ihr die Spiele nur an spezielle Händler. Diese geben den Freischaltcode des Spiels in eine MS-Datenbank ein, wo sie wieder „unlocked“ werden. In diesem Moment wird das Spiel auf eurer Festplatte dann gelöscht: Yeah! Mir ist schon klar: Einfach Spiele ausleihen, auf die Platte kloppen und dann wieder verkaufen, das soll es nicht geben. Irgendwie verständlich. Aber hier beginnt ein eigener Markt, hier kommen „zertifizierte Partner“ ins Rampenlicht, dass es mir schlecht wird. Der Laden um die Ecke sollte sich jetzt schon mal um ein neues Geschäftsmodell kümmern. Die Freiheit, Spiele zu verkaufen und weiterzugeben, wird mit Füßen getreten, weil alles in der „Cloud“ ist und man nur Nutzungsrechte erwirbt. Die Disc, die man erhält, ist völlig nutzlos, um Besitzansprüche geltend zu machen. Microsoft dazu: „Gewöhn dich dran!“
  • Für die Xbox One ist eine Internetanbindung von mindestens 1,5MBit erforderlich! Da bin ich ja mal gespannt, ob man auf dem Land überhaupt noch Xbox zocken kann…
  • Die 500GB Festplatte ist nicht auswechselbar: Das war bei der X360 schon so. Und hat tierisch genervt.
  • Die Xbox One wird Regionsperren haben, ggfs sogar noch enger als bisher (Länderspezifisch): Und nun der Abschuss zum Schluss: Spiele in UK kaufen und auf einer deutschen Konsole zocken? Wenns nach Microsoft geht: NEIN! Erinnert leider fatal an meine Gedanken von 2010…

Dort habe ich natürlich nicht jeden Punkt ausgeführt und nicht jeden Gedanken fortgeführt. Aber wenn ich mal überlege, welche Punkte mit der Xbox One wirklich realisiert wurden, ist man erst einmal geschockt:

Das proprietäre Systemformat war locker geraten, aber die Kinect-Gängelung Standard? Check… Abwärtskompatibilität, die in der letzten Gen noch als wichtig empfunden wurde, gibts in Zukunft per Stream. Gegen Entgeld versteht sich.

Was die Inhalte angeht, da zieht Microsoft derzeit alle Register: Ob Reionalsperren (Schlagworte „Jugendschutz“, „Ländervorgaben“, „Sicherheitsbedingungen“), Abo-Pflicht, Social Media Wahnsinn, Zwangsaktivierungen etc., hier hat MS alle Hausaufgaben zur vollsten Zufriedenheit erfüllt.

Fazit: Ist das wirklich der richtige Weg, sein Hobby in Zukunft auszuüben? Was waren das noch für Zeiten, wo man seine Spiele zum Kumpel mitgenommen hat, wo man tauschen und ausleihen konnte, wo man sich nicht ständig über irgendwelche „Aktivierungsfragen“ Gedanken machen musste? Die Zeiten sind vorbei, auch wenn Sony mit der PS4 immerhin ein paar erfreuliche Nachrichten zu melden hat. Man darf gespannt sein, wie Retrogamer zu diesen Konsolen in 20 Jahren stehen werden…

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Kategorien:Artikel, Videospiele
  1. Flat Eric
    20. Juni 2013 um 11:03

    Ui. Das ging ja schnell. Larry Hryb aka Major Nelson hat nun angekündigt, dass diverse DRM-„Features“ gestrichen werden:

    – No more always online requirement
    – The console no longer has to check in every 24 hours
    – All game discs will work on Xbox One as they do on Xbox 360
    – Authentication is no longer necessary
    – An Internet connection is only required when initially setting up the console
    – All downloaded games will function the same when online or offline
    – No additional restrictions on trading games or loaning discs
    – Region locks have been dropped

    Wow. Das ist der richtige Schritt in die richtige Richtung!

    Noch was zu den „Nachteilen“:

    Was nun nicht mehr geht, ist Folgendes:

    – Die Disc bleibt im Gerät und ähnelt damit nicht mehr einer „gecrackten Xbox„, wo man die Spiele einfach auf die Platte zog. Kann ich mit leben…
    – Man kann nicht mehr komplett auf seine Spielebibliothek zugreifen, d.h. „Family Sharing“ und Co. fallen weg.

    Auch wenn da Microsoft unglaublich innovative Dinge erzählt, so kann das natürlich in Zukunft trotzdem noch kommen. Sozusagen als „Service“. Wir dürfen gespannt sein, was nun kommen wird. Der Druck der Gamer hat sich jedenfalls ausgezahlt. Mit diesem Shitstorm hat Microsoft wohl nicht gerechnet.

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