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Tetris – sortieren, platzieren und fallen für die Ewigkeit


Ist Tetris nicht ein fantastisches Spiel? Dieses süchtig machende Klötzchengestapel? Dieser Perfektionswahn, ja keine Lücke zu hinterlassen? Dieses Gefühl, wenn der Viererbalken in der Steineschlucht verschwindet und wieder Platz schafft? Das hat was Wohlfühlendes an sich.

Jeder kennt Alexey Pajitnovs Tetris, es ist ein Teil unserer Popkultur geworden: Ob Auto-Werbung, Tetris-Lampe oder Eiswürfel in Blockform, längst hat sich Tetris als Kulturgut in unserer Alltagswelt fest verankert. Kennt ihr das? Ihr packt euren Koffer in Tetris-Manier und summt dazu die Tetris-Melodie. 😉

Das Spielprinzip ist genial einfach und einfach genial; es ist zeitlos, faszinierend und anspruchsvoll: Easy to learn, hard to master! Tetris hat sich millionenfach verkauft, Nintendos Game Boy zum Durchbruch verholfen und nebenbei liest sich die Hintergrundgeschichte wie ein packender Agententhriller aus dem kalten Krieg, siehe dazu die famose BBC-Doku Tetris: From Russia with love.

Tetris in seiner Urform aus dem Jahre 1984

Tetris wurde von der Presse und den Spielern gefeiert und erfreut sich heute noch größter Beliebtheit. Was auch daran liegt, dass es für fast alle erdenklichen Plattformen umgesetzt wurde.

Dazu passen die Rahmenbedingungen: Es besitzt kaum Hardwareanforderungen (logisch, Alexeys damaliger PC war ein Electronika 60) und läßt sich mit sehr wenigen Tasten spielen (im Prinzip zwei Pfeiltasten: links, rechts; runter optional). Es besitzt keinerlei kulturellen Hintergründe, kommt thematisch ohne Gewalt aus und, positiv wie negativ: es macht süchtig (s. Tetris-Effect, wunderbar dargestellt mit dem Paraplüsch Nilpferd Lilo).

Und man kann Tetris sehr gut gegeneinander spielen (siehe The New Tetris auf dem N64), was sicherlich viele noch vom Game Boy her kennen. Es ist quasi das Schachspiel der digitalen Generation.

Es erschienen bisher unzählige Tetris-Spiele und dazu noch mehr Clone, die allesamt das erfolgreiche Spielprinzip nachahmen. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.

Und gerade Tetris selbst hat man oft versucht zu verbessern, nur um dann zu merken, dass das Original einfach nicht zu verbessern ist (siehe Tetris 2). Aber es gibt auch tolle Tetris-Beispiele, die genauso süchtig machen und funktionieren. Eines davon ist Bombliss…

Das Spiel

Der bekannte Tetris-Mode. Zeitlos.

Der bekannte Tetris-Mode. Zeitlos.

Super Tetris 2 + Bombliss (MB|NR|KB) erschien Ende 1992 auf dem SNES (eine Limited Edition Anfang 1994, in Japan als Gentei Han) und darf nicht mit Tetris 2 (bei uns erst 1994/1995) verwechselt werden. Wir kennen das Spiel in Deutschland kaum, da es nur in Japan herausgekommen ist (obwohl alle Bildschirmtexte ins Englische übersetzt wurden).

Es gibt einige deutsche Mags von damals, die den Titel getestet haben und dabei ordentliche Wertungen vergaben (Videogames 10/93 89%, Powerplay 11/93 86%, Mega Fun , 10/93 2+, Mega Fun XX/9X 77%). Das Spiel ist mittlerweile für wenige Euronen hierzulande erhältlich (Screenshots via nVidia Shield Portable). Für diesen Blog-Beitrag interessiert mich vor allen Dingen ein Spielmodus: Der Bombliss-Mode.

Bombliss

Der 30 Level umfassende Bombliss-Mode!

Der 30 Level umfassende Bombliss-Mode!

Das Spielprinzip kennt man hierzulande vielleicht eher von Tetris Blast auf dem Game Boy (1995/1996). Allerdings ist es dort ein wenig vereinfacht worden, da nur die bekannten Tetris-Steine herunterfallen. Bei Bombliss werden die Blöcke um Pentominos erweitert, was das Gameplay deutlich (!) anspruchsvoller macht.

Hinzu kommt die Besonderheit, dass jeder Tetris-Stein eine Bombe mit sich trägt (Explosions-Radien, eine Bombe löst z.B. nur 7 von 10 Felder auf!) und Reihen nur dann aufgelöst werden, wenn genügend Bomben vorhanden sind. Man kann dazu auch noch quadratische Bomben basteln, die eine deutlich größere Sprengwirkung haben. Folgendes Video veranschaulicht das Bombliss-Gameplay gut:

Im Bombliss-Contest-Modus muss man sich durch 30 Level kämpfen (es gibt noch den Puzzle-Modus, der kommt als nächstes dran) und es ist erstaunlich, wieviel Zeit dieses Spielprinzip verschlingt, da man regelrecht an das Gamepad gefesselt wird: Lieber eine quadratische Bombe basteln oder den L-Block doch in die Lücke schieben? Wie rum drehe ich das Teil, dass es passt? Wohin mit dem Z-Block! ARGH!!! Und gleich nochmal…

Das letzte Level ist irrsinnig schwer (siehe Screenshots), da man schon recht weit oben beginnt und man sich erst Lücken/Platz ersprengen muss. Dazu benötigt man noch eine gehörige Portion Glück, denn wenn die falschen Tetra-/Pentominos zu Anfang den Bildschirm verstopfen, hilft nur noch ein neuer Versuch:

Das Gameplay

Fehler werden sofort bestraft, man darf in den höheren Levels keine Lücken lassen und muss die Spielweise perfektionieren. Zu wissen, in welche Richtung sich ein Stein dreht (links oder rechts herum), ist überlebensnotwendig.

Hinzu kommt der unkalkulierbare Glücksfaktor, der dafür sorgt, das teilweise schon verloren geglaubte Partien doch noch umschwenken. Hat ein wenig was von Dr. Mario oder Columns, wo diverse Kettenreaktionen auch nicht wirklich geplant werden können. Das ist im Prinzip auch ein wenig der Kritikpunkt des Modus an sich: Zufällige Reaktionen.

Es ist auf jeden Fall ein tolles Gefühl, den Endbildschirm sehen zu dürfen, auch wenn dort nichts großartiges präsentiert wird (z.B. keine startende Rakete 😉 ):

Fazit

Alles in allem ein sehr guter Tetris-Clone. Die Musik düdelt zwar vor sich hin (Tipp: das Spiel mit Start pausieren und mit Select ein neues Musikstück wählen) und die Grafik ist völlig unspektakulär. Aber die Spielbarkeit ist einwandfrei und gegenüber dem doch etwas hackeligen Tetris 2-Spielprinzip ist Bombliss einfach überlegen. Abgerundet wird das Spiel durch einen famosen Zweispieler-Modus! Tetris-Herz, was willst du eigentlich mehr?- [9|10]

Mehr Tetris!

Wer wirklich mehr will, sucht nach der Limited Edition mit neuen Herausforderungen (Gentei Han) in das deutlich einfachere Tetris Blast reinschauen (perfekte Unterhaltung auf dem stillen Örtchen 😉 ) oder holt sich Tetris Party Deluxe für Wii/NDS (2010), welches auch einen Bombliss-Modus mitbringt.

Und als letztes meine persönliche Retro-Top-5-Tetris-Liste. Bombliss würde ich derzeit in der Region von Platz 2 ansiedeln, wobei mir Tetris 2 + Bombliss und Super Tetris 3 noch fehlen. Ansonsten ist alles bis zur Generation des DS dabei:

5. Tetris Blast (GB, 1996): Wie oben schon erwähnt: Ein guter Tetris-Clone, der zwar nicht ganz an das Original herankommt, aber durch das Bombliss-Gameplay ein neues, frischeres Erlebnis mit sich bringt. Zudem ist der Schwierigkeitsgrad überschaubar und somit läßt sich das Spiel immer wieder für eine Runde einlegen.

Der Titel kam allerdings recht spät auf den Markt und ist etwas im 32-Bit-Hype der damaligen Zeit untergegangen.

Trotzdem: Auf jeden Fall mal anspielen,

Tengen/Atari Tetris NES (1989))4. Tetris (Tengen): Ich hatte Anfang der 90er-Jahre das Glück, den Atari-Tetris-Automaten zu spielen. Dabei hatte ich mich immer gewundert, warum Atari eine Version veröffentlicht hat, wo ich Tetris doch immer mit Nintendo verband. Und ja. es gibt eine NES-Version von Tetris, die damals von Tengen (der japanische Ableger von Atari) veröffentlicht wurde. Das Spiel war von Anfang an ein Steitfall vor Gericht, Tengen verlor den Prozess und musste das Spiel aus lizenzrechtlichen Gründen aus dem Handel nehmen (es war nur im Mai 1989 auf dem Markt, Nintendo lieferte seine GB-Version Mitte Juni 1989 aus, die NES-Version folgte im November 1989).

Unter Tetris-Fans gilt es als die (deutlich) bessere Tetris-Version für das NES. Das liegt daran, dass Tengen-Tetris einen Zweispieler-Modus mitbringt (welcher 2012 dem NES-Game per Hack spendiert wurde) und dazu einen genialen Zwei-Spieler-Coop-Mode! Letzterer ist der eigentliche Grund, warum ich das Spiel in meine Liste aufnehme. Der Modus wurde später im richtig guten Multiplayer-Modus von Tetris Party übernommen.

Auch mit dem etwas veränderten Gameplay konnte ich mich anfreunden: Es gibt eine leichte Verzögerung, wenn man einen Stein nach unten drückt. Fand das Feeling gut!

3. Tetris DX (GBC, 1999): Das ist wohl die beste 8-Bit-Fassung überhaupt und man muss diesen Titel einfach mit aufnehmen, da es in allen Belangen die GB-Ur-Version schlägt:

Tetris in Farbe (richtig schöne Steinchen), Batteriespeicher für die Highscores und neue Spielmodi. Das Spiel ist insgesamt sehr liebevoll gestaltet, spielt sich knackig direkt, ohne Lag oder Verzögerung, dazu die schönen animierten Seitenhintergründe. Wer den alten GB-Teil mochte, wird Tetris DX lieben!

2. The New Tetris (N64, 1999): Im Gleichen Jahr wie Tetris DX erschien The New Tetris und die Besonderheit bei diesem Spiel ist ganz klar der Multiplayer-Modus: Tetris zu viert, das rockt wie Mario Kart oder Bomberman! Dazu die kleinen Änderungen wie das „Parken“ eines Steines, die 4×4-Blöcke mit höherem Punktewert und die Schattenfunktion, um besser die Blöcke zu platzieren. Wer die pure Gaudi erleben will, holt sich drei Mitspieler ins Haus und haut sich die Blöcke bis tief in die Nacht um die Ohren.

1. Tetris DS (NDS, 2006): Der für mich beste Tetris-Titel! Die Touch-Modi sind zwar gewöhnungsbedürftig, aber ansonsten macht dieser Titel alles richtig: Die Spielbarkeit stimmt (keine Lags, präzise Steuerung,…), dazu die unglaublich detailverliebten Themes (Super Mario Bros., Zelda,…) und tolle Remixe älterer Songs! Es gibt viele Spielmodi, einen tollen Multiplayer-Modus für bis zu vier Spieler (sogar 10 im Standard-Modus mit einer einzigen Cartridge!). Eine liebevolle Homage an den Klassiker. Bis jetzt mein portabler Favorit!

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Kategorien:Reviews, Videospiele
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