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Feedback zum Spieleveteranen-Podcast #76 und die Gaming-Zeit Ende 1997


Eigentlich gibt es für diese Art von Blog-Post eine Kommentar-Funktion. Aber da der Spieleveteranen-Podcast #76 nun schon ein halbes Jahr auf dem Buckel hat, werde ich darüber mal mein Feedback in Form eines Blog-Posts geben.

Der Teil am Anfang, John Romeros DooM-Level oder die meiner Meinung nach etwas langweilige Rubrik „Was wurde zuletzt gespielt?“, lasse ich mal unkommentiert.

Der Hauptgrund ist die Einordnung der Inhalte in der PC Player 12/97. Für mich ist der Beitrag genau aus diesem Grund so hörenswert, weil es mich interessiert, wie man heute reflektiert die Spiele der damalige Zeit betrachtet.

Und da bin ich dann doch anderer Meinung. Z.B. bei…

Blade Runner

3756Mich haben die Reaktionen schon sehr überrascht: „Ganz gutes Spiel“, „Westwood hätte es besser machen können…“, „Gut, kein Rise of the Robots, aber…“, „Nicht wirklich der Hit…“, „Andere Spiele aus der Ausgabe hätten sicherlich besser für die Haupttitelstory gepasst…“ usw.

Whaaat??? Reden wir von Westwoods Blade Runner? Ähm, eigentlich ja! Mir ist auch die miese Wertung von Gamespot bekannt (6/10), aber alles in allem hat es doch schon damals mehr als nur gut abgeschnitten.

Heutzutage ist Blade Runner ein Kultgame geworden (ja, auch noch lauffähig!), genießt einen exzellenten Ruf unter Freunden des Genres (9,34 auf Kultboy, zahlreiche Tests belegen dies 12345) und wird nicht ohne Grund von den Fans bei GOG digital gefordert (>22k Votes).

Ja, es hat so seine Macken. Aber Atmosphäre, Präsentation und der dynamische Spielablauf sind heute noch große Klasse und da das Genre nach Blade Runner fast schon in einen Schlummerschlaf gefallen ist, sticht Blade Runner immer noch deutlich hervor.

Ich bin froh, dass vor allen Dingen Westwood dieses Meisterwerk geschaffen hat. Das hätte ich als Reaktion auch von den Veteranen erwartet.

Age of Empires

ao3Auch hier bin ich schon überrascht. Irgendwie hätte ich etwas mehr Euphorie erwartet. Schließlich hat Age of Empires meine kompletten Geschichtskenntnisse über Altsteinzeit, die Jungsteinzeit, die Bronze- und die Eisenzeit sowie Ägypter, Assyrer, Babylonier, Minoer, Perser, PhönizierSumerer oder Yamato geprägt. 😉

Für mich war AoE auch nie ein Konkurrent von WarCraft II, StarCraft oder Command & Conquer. Es ging um Geschichte (fast schon im Stile einer interaktiven Microsoft Encarta, die Spaß macht), um den Aufbau der Kulturen, um Erforschung, gelegentlich um Kämpfe, um ganze Epochen,…

Ich habe das immer mehr als Aufbaustrategie angesehen (also mehr eine Mischung aus Echtzeitstrateige und einem hohen Wuselfaktor à la Siedler) und fand es dementsprechend überhaupt nicht langweilig. Klar: AoEII war dann nochmals besser und davon gibt es auch die nette HD-Fassung. Aber die 5/5 (S. 88) von Ralf Müller kann ich auch heute noch so unterschreiben!

Chasm – The Rift

ch4smDas wurde im Podcast als belangloser, osteuropäischer Shooter (Entwickler Action Forms) bezeichnet und mit 2/5 abgestempelt. Das finde ich so gar nicht und hier treffe ich vielleicht nicht die gängige Meinung, empfinde aber Chasm: The Rift als absoluten Geheimtipp des Genres! Ich sehe es dementsprechend eher wie die PC Games von damals:

Gar nicht übel, was Megamedia da veröffentlicht. Chasm: The Rift setzt zwar keine neuen Maßstäbe, ist ober solides Futter für Genre-Fans. Die gruselige Atmosphäre, die klug designten Levels und eine ordentliche Geschichte, die sich durch die Missionen zieht, sorgen für Kurzweil. Vor allem heben sich die abwechslungsreichen Polygon-Gegner schön von den Bitmap-Figuren anderer Spiele ab.

Für mich fällt es ganz klar in die Rubrik: Wer mehr Old-School-Shooter wollte, bekam Ende 1997 genau das: Mehr Action, mehr dunkle Gänge, mehr DooM-Atmo, mehr Gore (siehe Gameplay-Video). Leider im Quake-II-Hype untergegangen (dieser übrigens auf den Seiten 148 und 149!). Auch auf GOG gibt es doch einige Votes für einen Re-Release!

Sicherlich: Bei der Schwemme an Games konnte man sich wahrscheinlich nicht umfassend um alle Testexemplare kümmern. Aber 1997 gab es noch nicht die Fülle an Möglichkeiten von heute, sich über ein Spiel ausgiebig zu informieren. Hier waren Demos noch enorm wichtig und die Meinung der Spielepresse stand mit den Wertungskästen an vorderster Front der Meinungsbildung.

PS: Oja, der Name „Der Abgrund: Die Kluft“ oder „Die Kluft: der Riss“ ist selten dämlich, the Rift klingt aber goil. 😀 Bekannt soll es allerdings auch sein unter dem Namen Chasm: The Shadow Zone. Ist mir aber noch nie untergekommen, dass das Spiel so mal ausgeliefert/beworben wurde und steht so auch nicht auf der Webseite des Spiels.

Die PC Player 12/97

Nun mal zur Ausgabe allgemein: Was da 1996/1997 aufgefahren wurde, war schon eine phänomenal abwechslungsreiche Zeit: Aufbruch in 3D-Gefilde, die Konsolen wie die PlayStation oder der Saturn ziehen auf und beleben auch PC-Spieler mit schneller Action, die Simulationen sind noch zahlreich vertreten, neue Genres werden entdeckt, Adventures sind noch nicht untergegangen…

Kurz: Die ganze Branche war enorm spannend (PC dank 3D-Boom DIE neue Zockermaschine, Konsolenkrieg noch unentschieden, Nintendo in Zugzwang, Genres entwickeln sich rasant weiter, Online-Gaming kommt auf,…) und steuerte auf einen Höhepunkt hin.

Gerade aus heutiger Sicht war das eine unfassbar unübersichtliche, abwechslungsreiche und prägende Zeit der Gaming-Ära. Es ist einfach herrlich, sich diese Ausgabe anzuschauen und die Veteranen sagen ja selbst, sie könnten stundenlang über diese Ausgabe fabulieren.

Die Lost Games…

Und es gibt da noch ein paar Reviews, die leider nicht im Podcast angesprochen wurden (oder ich habe sie überhört 😉 ) und die man aus heutiger Sicht nennen sollte:

  • Jedi Knight (GOG, S. 92-96): Darüber könnte man allein  schon stundenlang sprechen (netter Nebenverweis: Die Trashprodukte der Firma ARI Data und das unsägliche Area D auf S. 95. Wer mehr darüber lesen will, schaut hier und da rein)
  • Riven: The Sequel to Myst (GOG, S. 100-102): Das fand ich damals langweilig, hat aber sicherlich seinen Charme und ist für ruhige Stunden am PC durchaus spielenswert. Ist eben auch gut gealtert! Super schön die Werbung damals (S. 115)!
  • Panzer General 3D (GOG, S. 106-108): Vorsicht! Hieß nur bei uns so, es handelt sich aber eigentlich um das phänomenale Panzer General II und hat nichts mit dem mäßigen ’99-Titel Panzer General 3D Assault zu tun! Wer noch mehr Panzer-Taktik wollte: East Front gab es auch als Test in der Ausgabe, ist dann aber schon ziemlich detailverliebt… Davon gibt es leider keinen GOG-Release…
  • GTA (Freeware, S. 116-118): Dazu muss man eigentlich nichts mehr sagen. Ich habe es damals geliebt! Hatte nur Probleme mit der Technik: Unter DOS ging mein Sidewinder Gamepad (Test S. 255) nicht, dafür der 3Dfx-Support, unter Win 95 ging das Gamepad, aber nicht die 3Dfx-Beschleunigung! ARGH!
  • Hexen 2 (Steam, bei uns wohl indiziert? S. 122-123): Guter Nachfolger, tolle Mischung aus Action, Adventure und Rollenspiel. Heretic war klasse, Hexen war Klasse, der zweite Teil war klasse! Für mich eine gelungene Abwechslung im Shooter-Genre.
  • G-Police (PSN, S. 124-126): Konsolenumsetzung des PSX-Hits aus dem Hause Psygnosis, das heutzutage kaum mehr beachtet wird. Find ich schade, denn das Game hatte was: Cyberpunk-Feeling, wipEout/Colonial Wars-Look, coole FMVs…

Dann noch was zu folgenden Themen: Angesprochen wurden noch Seven Kingdoms (S. 178-180), das gibt es heute auf GOG und das IMO bessere Schleichfahrt Sub Culture (S. 168-169), dass es leider nicht digital gibt (im übrigens aus dem Hause Criterion „Burnout“ Games). Letzteres hätte defintiv mal einen Re-Release verdient, genauso wie:

Dreams to Reality (S. 188-189) ist so ein typisches Cryo-Game, dass in Sachen Gameplay einfach noch etwas poliert hätte werden müssen, aber umwerfend kreative Momente hat.

Excalibur 2555 AD (Kurztest S. 192) kommt viel zu schlecht weg und kam leider zur falschen Zeit raus: Tomb Raider (II) dominierte hier nach Belieben im Genre, da war zu wenig Platz! Heute muss ich aber zugeben: Etwas belanglos ist es schon.

Die Umsetzungen von Virtua Cop 2 (S. 194), Manx TT (S. 206) und Daytona USA Deluxe (S. 207) konnten leider nicht mit dem Kult der Saturn-Klassikern mithalten und wurden dementsprechend abgestraft. Allerdings hatten sie es in einem PC-Mag auch entsprechend schwer, wurden technisch schlampig umgesetzt (SEGAs „Games for Windows“) und sie kamen allesamt 2 Jahre zu spät heraus…

Fazit

Alles in allem eine gigantische Ausgabe, die sehr lesenswert ist und einen fantastischen Einblick in die damalige Zeit gibt. Schade, dass die Veteranen so wenig Zeit damit verbringen, die alten Ausgaben auseinander zu nehmen. Ich könnte da noch viel mehr dazu hören, gerade aus erster Hand der Redakteure…

Zeitschriften waren ja damals quasi die einzig fundamentale Informationsquelle zu meinem Hobby. Ehrlich gesagt interessiert es mich nicht wirklich, an welchen Games sie heute sitzen/zocken… Aber sonst wäre das hier ja auch kein Retro-Blog. 😉

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Kategorien:Artikel, Videospiele
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