N64 starter guide: Was benötigt man zum Einstieg?


Es ist mal Zeit, ein wenig Infos zusammenzusammeln, auf was man eigentlich achten sollte, wenn man in die N64-Welt einsteigen möchte. Heißt: Man hat Bock, die alten Tage Ende der 90er wiederleben zu lassen oder man möchte vielleicht etwas nachholen, wozu man früher keine Gelegenheit hatte.

Konsole und Gehäuse

Als erstes stellt sich die enorm wichtige Frage: PAL- oder NTSC-Konsole? Die Zeiten, wo man NTSC-N64 für 20€ mit Versand hinterhergeworfen bekam, sind vorbei. NTSC-Geräte gehen meist für 50+€ weg, PAL gibt es hin und wieder für 30-35€. Kein großer Unterschied, aber wichtig für den nächsten Punkt, die Bildqualität. Dazu aber später mehr.

Nun sind die Preisangaben für die „Standard-Konsole“ in anthrazit (?), also so, wie man das N64 kennt. Oft ohne „Peripherie“, d.h. kein Controller, Anschlusskabel oder gar Netzteil. Auch dazu in den nächsten Abschnitten mehr. Wer farbige Konsolen sucht (transparent, Pikachu,…), muss dementsprechend mehr einplanen. Mittlerweile gibt es auch Ersatzgehäuse, die qualitativ ordentlich sind. Aber natürlich den Preis nochmal erhöhen (>45€).

Was PAL oder NTSC angeht: NTSC-Spiele laufen in der Regel flüssiger (bspw. 30 statt 25 FPS) und haben keine PAL-Balken. PAL-Spiele bekommt man hierzulande natürlich einfacher und günstiger, allerdings nur lose. Gerade aus Japan gibt es wundervolle Sets, die es komplett in exzellenter Qualität zu noch humanen Preisen gibt:

Gehen wir jetzt erst einmal vom Standard aus und entscheiden uns für ein (normales) PAL-Gerät in ordentlichem Zustand: 40€ mit Jumper Pak und (Original-)Netzteil.

Bildqualität

Dieser enorm wichtige Punkt habe ich ausführlich hier besprochen. Wichtig ist: Will man das N64 an eine Röhre anschließen oder gar an einen 4K-OLED. „Günstig“ (<20€) wird es auf keinen Fall und es hängt von den vorhandenen Anschlüssen ab. An einem CRT kommt man mit S-Video meist gut hin, wer HDMI braucht, muss sich um Lösungen wie RetroTINK, GBS-C oder OSSC kümmern.

Womit wir beim wichtigsten Punkt wären: RGB gibt es nur mit Mod. S-Video ist der „höchste Bildstandard“, den man ohne Mod bekommt. NTSC ist etwas einfacher zu modden, PAL benötigt eine teurere Platine. Aber das kann man alles in Ruhe nachlesen. Da dieser Punkt sehr von eurem Setup abhängt, kann man hier nicht wirklich einen Preis schätzen.

So scharf kann ein N64 aussehen: Startbildschirm von Mario Party 3 mit N64Digital

Netzteile

Ein wichtiges Thema, wenn man eine zubehörlose Konsole gekauft hat. Ja, es gibt Ersatznetzteile, ca. 15€. Leider sind die alle nicht der Hit: passen schlecht, liefern teilweise nicht die nötige Spannung wie das Original oder machen seltsame, hochfrequente Geräusche. Leider alles schon erlebt.

Aliexpress kann hier wenig helfen (vielleicht spart man den einen oder anderen €), von den positiven „Rezensionen“ sollte man sich nicht täuschen lassen: Es ist in der Regel der gleiche Mist. Also Original kaufen? Ja, wenn möglich würde ich das empfehlen. Wenn das nicht möglich ist, sollte man dort kaufen, wo man problemlos auch wieder retournieren kann. Eventuell wäre aber auch ein entsprechender Mod (N64 USB PSU by ManCloud) für euch interessant.

Und ja: Ein PAL-Netzteil geht auch in einem NTSC-Gerät, kein Problem.

Jumper Pak/Expansion Pak

Es gibt nun immer wieder die Frage nach dem Expansion Pak. Hier wurden 4MB RAM nachgeschoben, die meist höhere Auflösungen ermöglichen (480i statt 240p). Aber auch andere Erweiterungen sind damit möglich (mehr Spieler bspw. bei Hydro Thunder oder Gauntlet Legends). Nur The Legend of Zelda: Majora’s Mask und Donkey Kong 64 lassen sich ausschließlich mit dem Expansion Pak starten, für Perfect Dark empfehle ich es dringend. StarCraft 64 werden die wenigsten im Original haben.

Ohne Expansion Pak könnt ihr Perfect Dark auf dem N64 nur begrenzt spielen. Single-Player geht z.B. überhaupt nicht.

Das Problem: es gibt keine neuen Nachbauten und es darf bezweifelt werden, dass random access memory (RDRAM) überhaupt noch irgendwo hergestellt wird. Daher liegen die Preise bei >35€ allein für dieses kleine Stück Hardware.

Die Frage stellt sich natürlich: Braucht man das dann wirklich? Majora’s Mask gibt es noch auf anderen Plattformen, von Perfect Dark auf der Xbox als Teil der RARE-Replay-Collection eine hervorragende Version und StarCraft spielt man dann doch lieber am PC.

Allerdings sind einige Romhacks und Homebrew-Spiele auf das Expansion Pak angewiesen. Von daher werden Enthusiasten nicht darauf verzichten wollen. Ansonsten mal bei Game Sack vorbeischauen. Dort wurden alle Spiele mit Expansion-Pak-Unterstützung getestet.

Vorsicht vor den (offiziellen) Nachbauten von damals. Diese verhalten sich oftmals zickig, werden zu heiß und lassen hin und wieder die Konsole abstürzen. Da diese meist nicht billiger angeboten werden, kann man sich die Suche danach auch sparen. Wer mehr dazu Infos möchte, sollte hier reinschauen.

Der Trick, dass man einfach nach japanischen Donkey-Kong-64-Modulen Ausschau gehalten hat, wo das Expansion Pak beilag und was auch zu PAL-Konsolen kompatibel ist, ist mittlerweile ein alter Hut und führt nur noch selten zu einer Preisersparnis.

Und lasst euch nicht täuschen: Das Jumper Pak wird für das Starten der Konsole zwingend benötigt. Es überbrückt einfach nur die Kontakte und kostet ca. 10€, falls ihr ein Gerät erwischt habt, wo es fehlt. Am besten schaut man aber, dass das Teil auf alle Fälle beim Kauf mit dabei ist. Lasst euch nicht durch schlechte Rezensionen täuschen, die meisten verwechseln das mit dem Expansion Pak und beschweren sich darüber.

Controller

Originale Controller in sehr gutem Zustand sind selten und teuer. Meine Empfehlung ist, alte Controller selbst wieder fit zu machen, es gibt dafür unzählige Guides. Eine gut-bebilderte Anleitung gibt es auf iFixit. Alternativ lässt sich so der Stick auch komplett tauschen, bspw. durch einen „V3 GameCube-Style-Stick„, der in der Bewegung ein korrektes Octagon erzeugt und nicht, wie die günstigeren Nachbauten, ein Quadrat (die teilweise noch verkauft werden). Sehr empfehlenswert ist der ultimative Guide auf WTFParts, der die komplette Dimension des Themas behandelt.

Octagon? Was bedeutet das? Wenn man bspw. GoldenEye oder Perfect Dark spielt und nach links oder rechts oben zielt, ist der Weg von der Mitte nur nach links oder rechts kürzer, als diagonal. Bedeutet, die Stufen werden bei diagonalem Zielen länger gezogen und man eiert in der Regel mit dem Zielkreuz in der Gegend herum. Auch bei Super Smash Bros. können bestimmte Moves schlechter oder vielleicht gar nicht ausgelöst werden.

Der klare Vorteil des GameCube-Sticks: Dieser leiert nicht so schnell aus und ist daher eine Empfehlung wert – wenn, wie oben beschrieben, die Bewegung einem Octagon entspricht.

Ich habe hier einige Sticks getestet, die generelle „Empfindlichkeit“ des Original-N64-Controllers in exzellentem Zustand bewegt sich bei ca. 80-85er-Werten in alle Richtungen. Beim N64-Controller werden die Werte optisch ermittelt, heutzutage verwendet man Potentiometer (mehr zu den Hintergründen hier).

Jetzt gibt es natürlich neuere Controller, die mehr in die Richtung des Dualshock-Standards gehen, mittlerweile auch kabellos, wie ich das beim Brawler64 getestet habe. Es gibt bspw. noch den Admiral von Hyperkin (leider nur mit quadratischem Stick) oder den Tribute64. Dieser ist allerdings höchstempfindlich und daher doch recht gewöhnungsbedürftig. Meine Empfehlung ist der wireless Tribute64. Er ist nicht mehr ganz so empfindlich wie die Kabel-Variante und kommt eher in die Nähe eines guten Controllers.

Gut gefällt mir von damals noch das Mako bzw. SuperPad von Interact, weil es ein eher klassisches Controller-Design verwendet und sich der Stick bauartbedingt sehr präzise bewegen lässt. Mein Pad ist hier auch nicht (mehr) optimal, aber gut spielbar sind damit die meisten Spiele.

Was ich eventuell noch an alten Controllern empfehlen kann, ist der Competition Pro mit diversen Zusatzfunktionen (Link). In gutem Zustand wird auch hier das Bewegungsbild des Original-N64-Controllers erreicht.

Über die Steelsticks kann ich leider nichts sagen, eine eigene V3-Platine wäre natürlich auch eine Option. Selbst verwende ich noch N64 zwei Gamecube2N64-Adapter, die dem Raphnet-Adapter entsprechen und wo man GC-Sticks am N64 verwenden kann – inklusive der Anpassung an das Octagon-Bewegungsmuster.

Ihr seht, das ist fast schon ein eigenes Thema wert… Rechnet mal pro Controlle mit 25€.

Zubehör

Braucht man noch weiteres Zubehör?

Sichert eure Speicherstände!
  • Z.B. Speicherkarten (Memory Card oder offiziell Controller Pak genannt)? Memory Cards würde ich empfehlen, da man bei diversen Spielen nur so den Spielstand sichern kann. Ich empfehl immer dass Original von Nintendo (ca. 10€), es gibt allerdings auch eine Vielzahl an 3rd-Party-Paks und mittlerweile auch nachbauten. Bei dem Thema habe ich allerdings keine Langzeittests gemacht, weil ich, falls es zum Datenverlust kommt, meine Speicherstände allesamt gesichert habe und zwar mit Sannis Cardreader. Das geht auch noch mit anderen Geräten, wie dem DexDrive oder Retrode. Dazu kann ich allerdings mangels Geräten nichts dazu sagen. Sichert auf alle Fälle eure Speicherstände, denn teilweise sind in den Modulen (und den Controller Paks!) Batterien drin (CR2032), die nach 20-Jahren und länger einfach nicht mehr funktionieren und dann ist auch der interne Speicher futsch! Hier findet ihr eine Liste der Speichermöglichkeiten. EEPROM und FlashRAM sind „sicher“, SRAM leider nicht (bspw. ganz prominent The Legend of Zelda: Ocarina of Time).
  • Rumble Pak? Wer früher Lylat Wars gespielt hat und auf Vibrationsfeedback steht: Klar, kaufen! Die Teile sind nicht teuer (~10€) und ich empfehle das Original von Nintendo, da manche 3rd-Party-RPs etwas schwach sind. Mir gefällt noch das Tremor Pak, weil es wirklich stärker ist, dafür nicht mehr so ganz genau die unterschiedlichen Rumble-Modi darstellen kann. Und es wiegt ziemlich viel. Die Rumble Paks benötigen meist 2xAAA-Batterien/Akkus. Es gibt auch Geräte ohne Batterien (bspw. das von Gamester, teilweise sogar in Kombination mit Controller Pak), aber davon habe ich derzeit keine da. Wer modden will, kann dies natürlich auch tun.
  • Transfer Pak? Das habe ich nicht, der Nutzen ist eher beschränkt auf wenige Spiele, der Preis ist zum Glück niedrig (ca. 10€).
  • Import-Adapter: Je nach Bedarf, kann das natürlich sinnvoll sein, bspw. um japanische Spiele auf einem PAL-Gerät zu spielen und vice versa. N64 Passport Plus III ist das beste Gerät, leider überhaupt nicht mehr günstig zu bekommen. Selbst die einfachsten Adapter, wo man noch ein „Start-Spiel“ (mit gleichem Security-Chip) einstecken muss, kosten >40€… Oder man macht sein N64 „Region Free“ (UltraPIF), das ist natürlich nur mit einem Umbau verbunden (klick).
Wer Importe spielen möchte, muss sich teilweise mit solchen Konstruktionen beschäftigen

Everdrives und Repros

Das beste Thema zum Schluss? Je nachdem. Wer eine große Original-Spiele-Sammlung aufbauen will, der kann dieses Thema überspringen. Das hat natürlich seinen Preis, gerade, wenn man auf die klapprigen Kartons und Anleitungen steht, die, in den meisten Fällen, nicht angeboten werden und dazu noch stark den Preis nach oben treiben. Dann sollte Geld sowieso keine Rolle mehr spielen.

Everdrives ermöglichen das Abspielen von ROMs, also den ausgelesen Spiele-Cartridges. Man kann damit auch NTSC-ROMs auf einem PAL-Gerät spielen (und vice versa). Das „Original-Everdrive“ ist teuer und gut, die günstigeren Varianten findet man gelegentlich noch in der Bucht oder in Foren. Martin Watts von N64Today hat dafür einen wunderbaren Guide geschrieben.

Durchgesetzt haben sich auch die (chinesischen) Everdrive-Clone der ersten Version (also basierend auf dem EverDrive 64), ED64 Plus oder auch Super 64 genannt. Hier muss man ca. 60-70€ investieren.

Repros sind eigentlich hinfällig, da man gut und gerne 10-20€ pro Spiel bezahlt (nur Cartridge) und es immer wieder zu Speicherproblemen kommt.

Selbst nutze ich ein Everdrive für die zahlreichen Mods, Übersetzungen und Hacks, die es so gibt. In der N64-Szene ist wirklich sehr viel los und wer bei Kaze Emanuar reinschaut, kommt um den Kauf eigentlich nicht herum.

Fazit

Summa summarum bedeutet dies grundsätzlich:

  • 40€ für eine Konsole (PAL)
  • 50€ für zwei Controller (~40€ für einen neuen)
  • 10€ für eine Speicherkarte
  • 10€ für ein Rumble Pak
  • (+35€ Expansion Pak)

Damit seid ihr bei >100€, im Paket kann es natürlich günstiger ausfallen. Dazu kommt noch die recht teure Frage des TV-Anschlusses. Am CRT mit S-Video reicht ein (gutes!) S-Video-Kabel, am LCD oder OLED sollte ein ordentlicher Scaler (RetroTINK2X/5X) helfen, das Bild in den HDMI-Eingang zu übertragen. Ein OSSC/GBS-C geht nur mit RGB-Mod (oder beim OSSC mit teurem Add-On-Board). Ohne Spiele kann man also locker mit 200€ rechnen, nach oben hin gibt es keine Grenzen (N64Digital, farbige Special Editions, Steelsticks,…).

Waverace 64 auf dem N64 mit N64Digital-HDMI-Mod

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