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Wenn man ein ROM nicht im Archiv findet, einfach runterladen…


… hat sich Nintendo wohl gedacht. Ich bin großer Fan der Games Developer Conference, weil es dort einfach immer die interessantesten Beiträge von Entwicklern selbst gibt (bspw. Martin Hollis und GoldenEye oder Brian Provinciano und Retro City Rampage). Nun bin ich über folgenden Beitrag gestolpert:

Frank Cifaldi: „It’s Just Emulation!“ – The Challenge of Selling Old Games

Sehr sehenswert insgesamt. Daraus ganz besonders ab Minute 12:43, das Thema Emulation. Mit folgendem Fazit:

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Der Hintergrund

Eurogamer hat sich mit dem Thema noch weiter beschäftigt und folgende Frage gestellt. Der Rest ist einfach nur zum Zunge schnalzen:

Did Nintendo download a Mario ROM and sell it back to us?

Scheinbar ist die Version von Super Mario Bros. für die Wii Virtual Console tatsächlich ein, man kann sagen, illegaler Download! Der Grund ist, dass man im ROM einen NES Header findet, der als Standard durch den iNES-Emulator definiert wurde.

Dieser Quasi-Standard in NES ROMs wird dazu benötigt, Emulatoren erkennen zu lassen, wie die korrekte Konfiguration des betreffenden Moduls aussieht. Nintendo hätte wohl eh einen Header gebraucht, aber exakt derselbe?

Alles scheint darauf hinzudeuten, dass Nintendo (oder der Sub-Unternehmer des VC-Emulators) selbst das ROM von einer entsprechenden Seite runtergeladen hat und nun an seine Kunden verkauft.

Das „dürfen“ sie ja eigentlich, aber warum ist dann die eigene Policy so dermaßen streng ausgelegt, wenn sie sich schon selbst nicht daran halten?

Therefore, whether you have an authentic game or not, or whether you have possession of a Nintendo ROM for a limited amount of time, i.e. 24 hours, it is illegal to download and play a Nintendo ROM from the Internet.

Und damit sind sie nicht allein: Bei dem Humble Neo Geo Bundle sollen auch per Torrent geladene Roms dabei gewesen sein. Aber das ist für die Firmen wohl der bequemste Weg: Sich gar nicht erst mit dem Thema beschäftigt, outsourcen und fertig ist die Sache…

Der Lizenz- und Rechtsdschungel

Dabei könnte es doch auch anders gehen!

Es gibt zig Lizenz- und Rechtsstreitigkeiten (siehe GoldenEye oder No One Lives Forever, diese Spiele werden wahrscheinlich niemals wieder aufgelegt werden können), Firmen, die  (mit ihren Rechten) Pleite gehen, Spiele, wo der Source Code verloren gegangen ist (siehe Panzer Dragoon Saga), etc.

Wir reden hier teilweise von Spielen, die 30 Jahre alt sind und mit denen man auch weiter Geld machen kann. Wir reden über Emulation, die seit 20 Jahren erfolgt (z.B. 20 Years MAME)…

Wo sich Enthusiasten teilweise besser darum kümmern, Spiele neu aufzulegen (Vgl. Christian Whitehead und Sonic)

Oder aufgrund der Rechtsproblematik eigene Projekte in enger Anlehnung realisieren (Vgl. z.B. Freedom Planet)

Das ist eigentlich alles Remix-Kultur und Web 2.0-Kollaboration und bedarf einer neuer Sichtweise von Werkschöpfung und ergänzender Geschäftsmodelle:

  • Das Recht, Werke bei der Nutzung zu verändern und das Ergebnis öffentlich zugänglich zu machen (Pauschalvergütetes Transformationsnutzungsrecht — Beispiel: Hintergrundmusik im Handyvideo).
  • Das Recht, Remixes von bestehenden Werken zu erstellen und diese öffentlich zugänglich zu machen (Pauschalvergütetes Remixrecht – Beispiel: Fake-Trailer einer Fernsehserie).
  • Das Recht, gegen Zahlung einer angemessenen Vergütung Remixes auch kommerziell zu verwerten. (Lizenzpflichtiges Remixverwertungsrecht – Beispiel: Verkauf von Musik-Mashup via iTunes)

Viele Hersteller sind damit wohl völlig überfordert, obwohl es natürlich im Vertragsrecht möglich wäre, solche Dinge mit entsprechenden Projekten/Personen zu regeln.

Es ist aber eben auch ein Problem der derzeitigen Rechtsprechung, die momentan keine solide keine Grundlage bietet! Und  dann geht man natürlich lieber den Weg, das Geld in eine aufgeblähte Rechtsabteilung zu investieren (Bswp. gegen Pokemon), egal, ob es vielleicht doch nicht so sinnvoll wäre…

Nur: Dieses völlige Abschotten von der Community und die permanente Einteilung in schwarz und weiß macht die Sache so kompliziert, so wenig dynamisch und so schwerfällig, um zukünftig eine geeignete Form zu finden, wie dieser sehr kreative Teil der Wertschöpfung „mitgenommen“ werden kann. Der ganze juristische Apparat hemmt, blockiert, bremst und verärgert Hardcore-Fans ganz massiv.

Aber, aber!!! So geht das doch nicht!

Ein kurzer Einwand: Ja, das ist alles auch nötig! Die Firmen müssen oft diesen Weg gehen, es geht um Lizenzen, Patente und Urheberrecht. Wenn z.B. jemand Geld verdient, in dem er illegal Spiele verkauft, dann muss ein Hersteller reagieren.

Und natürlich ist es ein Problem, wenn außerhalb erstellte Inhalte eigene Inhalte tangieren – wobei ich nicht glaube, dass das fabelhafte Another Metroid 2 Remake irgendwie die desolaten Verkäufe von Metroid: Federation Force erklären kann… Aus dem Grund muss man einfach differenzieren, um was es tatsächlich geht!

Denn darum geht es mir nicht, zumal auch immer in Relation gehalten werden sollte, welchen Schaden ein Unternehmen überhaupt damit hat, wenn Leute ROMs hacken oder Fan-Games produzieren.

Bei den Remix- und Emulationsthemen heißt es (überspitzt formuliert) als Reaktion oft so:

„Ja, wenn wir uns selbst darum kümmern müssten: Das lohnt sich ja nicht. Und unsere PR-Abteilung sagt, das will ja keiner mehr spielen, dafür gibt es also zu wenige Kunden. Zudem ist Emulation meist illegales Zeug, was wir nicht wollen. Und uns ist  es zu aufwändig. Leider haben wir auch den Original-Source Code nicht mehr, also lieber vergessen wir das und ihr spielt einfach das, was wir euch neues präsentieren. Warum habt ihr auch so viel Zeit, euch mit solche doofen Themen zu beschäftigen? Zockt doch unsere Sachen!“

So macht man es sich einfach, wenn man doch ein wenig daran mitverdienen will: Emu übernehmen/schreiben lassen und ROMs nehmen, statt selbst dumpen.

Also wenn das Nintendo schon so macht, die ja in den letzten Jahren und Jahrzehnten so viele juristische Auseinandersetzungen geführt haben, dann zeigt das nur die verkrustete Situation, in der die Branche steckt und laut Beamtendreisatz gilt damit auch weiterhin:

  1. Das haben wir immer so gemacht (Community abmahnen)!
  2. Das haben wir noch nie gemacht (Fan-Projekte unterstützen)!
  3. Da könnte ja jeder kommen (ROM/Emu-Community verteufeln)!

Fazit

Zeit für neue Ideen und Modelle, man muss sich nur mal näher damit beschäftigen und mal auf die Community zugehen. Gell, SEGA? Auf Sonic Mania bin ich sehr gespannt! Nur ist das eben ein kleines Glas Wasser auf das Großfeuer, denn Die Community hat jetzt schon so einen dermaßen großen Vorsprung in allen Themen rund um Remix, Emulation und Hacking, da sind wohl einzelne Unternehmen wie Nintendo  nicht mehr in der Lage, was daraus zu machen bzw. machen zu wollen:

Warum gibt es keine legale Möglichkeit, dieses Potenzial offiziell zu nutzen? SEGA hat immerhin den Steam Workshop für seine Collection geöffnet, weil sie wohl selbst keine Kapazitäten haben, um so etwas durchzusetzen.

Aber Nintendo hat ja noch eigene Plattformen und Vertriebskanäle, um solche Entwicklungen selbst zu steuern, statt immer nur abzumahnen und destruktiv zu auf diese Community zu wirken. Ein Kampf gegen Windmühlen eben.

Das sind wahrscheinlich die Auswirkungen der „Unternehmensoptimierungen“ und der „Stakeholder Value Geschichten“, wenn Unternehmen so geführt werden, dass möglichst der Profit stimmt, nicht aber die Vision.

Eigentlich müsste man jetzt einfach mal eine Emulations- und Remix-Kultur affine Unternehmensberatung gründen und die Potenziale mal ausreizen. :D Denn aufhalten kann man diesen Kulturtrend nicht mehr. Dafür ist das Thema nun doch zu „retro“. Und das weiß Nintendo eigentlich auch selbst. Spätestens mit dem NES Mini;)

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Kategorien:Videospiele
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