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SNES-Mini – Wenn ja, dann bitte erweiterbar!


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SNES Mini Mockup von Arkotype – Sieht so ein mögliches SNES Mini aus? [Klick zum Original-Bild]

Nintendos NES Mini ist eingeschlagen wie eine Bombe. Mich hat es ehrlich gesagt nicht gewundert, sind doch gerade solche offiziellen Geräte beliebte Sammler-/Liebhaberobjekte.

In letzter Zeit wird viel darüber spekuliert, ob irgendwann man ein SNES-Mini, analog zum NES-Mini, erscheinen wird. Ich bin da etwas skeptisch und habe natürlich auch Ansprüche, die mir das Gerät wahrscheinlich so nicht bieten kann. Aber der Reihe nach…

Problempunkt Emulation

Oft wird gemeint, dass die Emulation der alten 8-Bit/16-Bit-Geräte gar kein Problem sei. Das stimmt in Teilen, wenn man sich z.B. auf 8-Bit oder gängige 16-Bit-Geräte mit Motorola-CPU beschränkt. Beim SNES wird es schon etwas komplizierter.

Denn so einfach ist die SNES-Emulation nicht, wie beim NES. Im Prinzip ist es eine Frage der Balance (Hardware) und der Kompromisse (Spiele). Nehmen wir mal Higan/bsnes. Damit dieser wirklich alles sehr gut emuliert, braucht er Power (siehe Entwickler byuu in seinem lesenswerten Artikel auf ArcTechnica).

So weit ich es mitbekommen habe, wollte Nintendo auch auf der Virtual Console immer eine möglichst genaue Emulation, deswegen hat man bisher auch auf zahlreiche Spiele verzichtet.

SNES9X oder ZSNES gehen Kompromisse ein, nicht jeder Chip wird dementsprechend emuliert (ZSNES hat derbe Ton-Probleme bei Earthworm Jim 2, obwohl es nicht einmal einen Zusatzchip verwendet, es gibt Probleme mit Transparenz-Effekten, der Super FX-Chip läuft zu schnell,…).

Das Beispiel Earthworm Jim 2 zeigt z.B. ein gängiges Timing-Problem und dafür braucht man Rechenpower, die es in einem NES-Mini-Gerät nicht gibt: Dort werkelt ein Low-Cost AllWinner R16.

Wo das NES Mini noch einigermaßen gut funktioniert und nur wenige Leute Probleme bemerken (siehe dazu der Golem-Artikel), so kann das beim SNES größere Ärgernisse mit sich bringen.

Es geht eben darum, was man verkaufen will und ich gehe davon aus, dass Nintendo bei einem möglichen SNES Mini genau darauf achten muss, welche Spiele sie draufpacken:

  • Lizenzen ist sowieso ein Problemthema
  • Welche Zusatzchips will man emulieren? Will man z.B. nur wegen Mega Man X2/X3 Cx4 richtig emulieren?
  • Will man Multiplayer-Adapter wie z.B. bei Super Bomberman emulieren?

Die beste Option wäre so etwas wie ein Higan/bsnes (non performance) als Grundlage. Da kann man nur eben keinen AllWinner R16 aus dem NES Mini nehmen und damit steigt halt auch der Preis: Für ein 1,78 MHz NES verwendet Nintendo einen Quadcore 1.2 GHz Prozessor, für das SNES müsste man weiter gehen oder eben mit Kompromissen leben.

Natürlich hat Nintendo auch andere Möglichkeiten. Sie müssen kein Reverse-Engineering vornehmen, sie kennen (hoffentlich) ihre Hardware gut genug, aber trotzdem ist das, wenn man ein geschlossenes, offline System wie beim NES Mini anbieten will, riskant und mit Kompromissen behaftet.

30 vorinstallierte Spiele

Wie sähe aber meine geratene (PAL)-Spielliste aus? Vorab sei gesagt: Das wäre nicht meine Favoriten-Liste, da stünden dann andere Dinge drauf. Aber ich versuche mal in Anlehnung an das NES Mini meine Vorstellung anzugeben:

1. Super Mario World
2. Super Metroid
3. Super Mario All-Stars
4. Super Mario Kart
5. Gradius III
6. Chrono Trigger
7. Kirby Super Star
8. Super Street Fighter II: The New Challengers
9. Donkey Kong Country
10. Legend of Zelda: A Link to the Past
11. Sim City
12. F-Zero
13. Super Adventure Island
14. Super Turrican
15. Super Punch Out
16. Kirby’s Dream Course
17. Super Castlevania 4
18. Axelay
19. Actraiser
20. Mega Man X
21. Super Mario RPG
22. Kirby’s Dream Land 3
23. Final Fight
24. Pilotwings
25. Demon’s Crest
26. Super Tennis
27. Secret of Mana
28. Super Probotector: Alien Rebels
29. Super Ghouls ’n Ghosts
30. Pop’n TwinBee

Ich habe versucht, eine möglichst Virtual Console konforme Liste zu erzeugen (Wii/WiiUWiiU), mehrere Spiele aus einer Serie zusammenzufassen (z.B. nur Donkey Kong Country, nur Final Fight und nicht deren Nachfolger) und Lizenzprobleme zu umgehen (z.B. LucasArts). Super Turrican habe ich mal mit aufgenommen, irgendeinen Reizpunkt muss man nun mal setzen und das Game ist ja tatsächlich auch auf der VC verfügbar. 😉

Chrono Trigger gab es nie damals bei uns in PALien, kam allerdings auf dem DS dann hier heraus und gibt es mittlerweile auch auf der PAL-VC. Ich habe zudem versucht, nicht zu viele USK12-Titel zu nehmen, da die Konsole sicherlich massenkompatibel verkauft werden muss.

Andere Nintendo nahe Titel, für die man damals viel Werbung gemacht hat, wie z.B. Unirally oder Plok, habe ich weg gelassen, da sie im Endeffekt nicht erfolgreich genug waren und bisher auch nicht elektronisch lizenziert wurden. Auch problematische Spiele wie Tetris sind nicht mit dabei (z.B. Tetris & Dr. Mario).

Mal sehen, wie sich die Liste bewahrheiten wird. Kommen wir zum letzten Punkt und wen das Thema ROM-Hacks und Co. nicht interessiert, der braucht auch nicht weiter lesen.

Mods und Hacking: Der Wunschgedanke

Was natürlich fehlt, wäre eine Online-Anbindung, um Inhalte „nachzulasen“. Das fehlt beim NES Mini und ich gehe mal davon aus, dass das auch beim SNES Mini fehlen wird. Viel interessanter wäre für mich aber der Bereichs Mods und Hacking, Nintendo hat da ja eine sehr restriktive Sichtweise, was die „Remix-Kultur“ angeht.

Trotzdem würde ich mir die Legalisierung der Modding-Community wünschen (siehe SMW-Hacks), so wie es SEGA mit dem Steam-Workshop gemacht hat. So können sogar neue Spiele veröffentlicht werden, die in Entwicklung stehen (z.B. Tanglewood).

Das Problem beim SNES: Es ist recht schwierig, darauf zu programmieren. Es gibt mittlerweile eine gute Dokus, aber ohne die ganzen Kniffe, die starke Ausnutzung von Assembler und die Unterstützung der Zusatzchips erzielt man auf einfacheren Systemen wie Amiga, Mega Drive und Co. bessere Ergebnisse (siehe Pier Solar oder viele andere Games) als auf dem SNES.

Aber für (kommerzielle) Hacks wäre es schon interessant, eine eigene, offizielle Plattform zu haben (wenn schon nicht PC), weil es damit endlich möglich wäre, Projekte schneller, gezielter und für die Entwickler lukrativer zu gestalten.

Wenn ich mir Sachen wie The Second Reality Project 2 anschaue, das schon vor über 15 Jahren entwickelt wurde (Basis SMW), oder Super Metroid Redesign, Star Fox 2, Zelda Parallel Worlds mit seiner über 13 Jahre dauernden Entwicklung bis zur deutschen Version und dem MSU-1-Hack, dann warte ich bis heute auf eine legale Möglichkeit, ein einfaches Nutzungsrecht in der Art einer Creative Commons Lizenz zu erwerben, um Spielinhalte auf einer offiziellen Plattform von Nintendo weiter zu verbreiten.

Beispiel Sonic The Hedgehog: Es kostet 4,99€, danach darf ich es im Steam Workshop modifizieren und der Community, die auch Sonic gekauft hat, zur Verfügung stellen. Das wäre bei einem SNES Mini mit Anbindung an eine VC/Steam ähnliche Plattform sensationell, um das SNES für alle Ewigkeit nutzbar zu machen, da nun Inhalte einfach online runtergeladen werden und die Konsole mit HDMI für moderne Geräte nutzbar ist.

Und das verstehe ich nicht, denn das SEGA-Beispiel zeigt ja, das dadurch weniger Wildwuchs entsteht, man an der Community mitverdienen kann und hier viel besser gesteuert wird, wo und welche Inhalte gestreut werden.

Ein Geschäftsmodell, dass Nintendo aus konservativen/rechtlichen Gründen (?) ablehnt, in Projekten wie dem Super Mario Maker aber wieder aufgreift, denn die Konkurrenz hat ja z.B. mit Little Big Planet vorgelegt.

Man ist sich also durchaus bewusst, welchen Reiz diese Möglichkeiten auslösen, denn die Modding-Community, primär auf den PC fokussiert, entwickelt seit über 20 Jahren Content.
Mir ist auch klar: Das ist ein naiver Wunschgedanke meinerseits, denn auch das SNES Mini nicht erfüllen wird, aber träumen gehört dazu. Lassen wir uns am Ende mal überraschen, ob es tatsächlich zu einer Umsetzung eines SNES Mini kommen wird. Content hätte Nintendo in der Tat genug.
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Kategorien:Artikel, Videospiele
  1. 12. Januar 2017 um 14:32

    So verrückt wie die Leute nach dem NES Mini sind, kann ich mir kaum vorstellen, dass Nintendo sich die Einnahmen, die ein SNES Mini generieren würde, durch die Lappen gehen lassen würde. Ich bin mir fast sicher, dass da schon dran gebastelt wird und die nur warten, bis die Nachfrage nach dem NES Mini nachgelassen hat.

    Weniger Hoffnung würde ich mir da wegen Onlineanbindung, Roms und Hacking machen. Nintendo hat da eine sehr klare Haltung: Niemand außer Nintendo darf irgendwas mit Nintendo-Produkten machen, zumindest nicht ohne dass Nintendo daran mit verdient (s. Let’s Plays und das Nintendo Creators Program). Während es von Sega beispielsweise diverse mehr oder weniger lizensierte Drittanbieter-Konsolen gibt, teilweise direkt mit SD-Kartenschacht für mehr Spiele (wo immer die dann auch herkommen sollen). Sowas hat Nintendo noch nie veröffentlicht, genau so wenig wie irgend eine Collection für PCs oder Konsolen. Sie wollen es einfach jedem so schwer wie nur irgend möglich machen, direkt Zugriff auf Ihre Spiele zu bekommen. Klar, in Anbetracht der unzähligen Rom-Seiten im Netz eigentlich ein Kampf gegen Windmühlen, aber da scheint es Nintendo einfach ums Prinzip zu gehen. Aber genau deshalb glaube ich nicht, dass Nintendo solche Optionen anbieten wird: Einfach aus Prinzip.

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