Nintendo GameCube an moderne Geräte anschließen


Der Nintendo GameCube erfreut sich immer noch großer Beliebtheit. Das liegt definitiv am wunderbar vielfältigen Spieleangebot. Und auch wenn die Wii abwärtskompatibel ist, so spielen viele Leute noch am Originalgerät: Der Aufwand, eine Wii aufzubauen ist doch dezent höher einzuschätzen als beim GameCube (Stichwort Wiimote).

Mario Golf Toadstool Tour (NTSC-US) via Bitfunx Component Cable am RetroTINK5X (480p/60) | Gamma Boost aktiviert (+3)

Doch wie sollte man einen GameCube heutzutage an moderne Geräte anschließen? Die Röhrenzeiten sind meist vorbei, FBAS-(Composite-) oder Scart-Anschlüsse sind gerade an neueren Geräten selten geworden. Wie sieht es mit HDMI aus und welches bestmögliche Bild kann das Gerät überhaupt darstellen? Dazu soll dieser Blogpost beitragen…

Der GameCube besitzt in den meisten Fällen zwei Anschlüsse: Den klassischen analogen „Nintendo-Anschluss„, der schon beim SNES und beim N64 verwendet wurde. Und er besitzt in der Regel einen „Digital-Anschluss„, wobei das entsprechende Komponenten-Kabel dazu nur in Japan verkauft wurde. Und heutzutage eine teure Rarität ist.

Es gab lange Zeit keinerlei Nachbauten (dazu nachher mehr) oder Möglichkeiten, den Anschluss ohne Original-Nintendo-Kabel zu verwenden. Nach der Revision DOL-001 wurde der digitale AV-Anschluss sogar komplett gestrichen. Dieser Guide richtet sich damit an diejenigen, die noch einen GameCube MIT diesem Anschluss besitzen:

Wichtig: Nur bei den GameCube-Modellen der Version DOL-001 gibt es einen einfach nutzbaren digitalen Output

Ich habe keinen Digital AV Out, was nun?

Für all diejenigen, die diesen Anschluss nicht nutzen können, hier eine Empfehlung: Neben guten Scart-RGB-Kabeln (die allerdings eine „Weiterleitung“ zu HDMI-In benötigen, also so Sachen wie Framemeister, OSSC, GBS-C oder RetroTINK5X) würde sich in diesem Fall ein RAD2X-Kabel anbieten (ca. 75€ mit Import und Steuern), da es an den normalen analogen AV-Output angeschlossen wird und ein gutes Signal liefert. PAL-GameCubes geben grundsätzlich RGB aus, was bei den NTSC-Geräten z.B. nicht der Fall ist (nur S-Video).

Eine Warnung noch auf diesem Wege: Bitte Finger weg von all diesen GC-N64-SNES-HDMI-Angeboten zwischen 20 und 35€ (10 und 20€ aus China): Das ist großer Krampf und ich habe schon in meinem N64-Beitrag erläutert, warum diese Lösungen rausgeworfenes Geld sind. Kurz: es wird der kleinste gemeinsame Nenner der drei Nintendo-Konsolen genommen, was FBAS aka Composite ist. Die Folge sind Helligkeitsprobleme, Bild- und Tonaussetzer, ein grundsätzlich unscharfes, schlecht auf 720p/1080p hochskaliertes Bild, verschwommene Bewegungen, Farben werden falsch dargestellt, 60Hz oder PAL60 wird eventuell gar nicht unterstützt etc. Hinzu kommt das bekannte Lag-Problem, was dazu führt, dass die Eingaben verzögert registriert und ausgeben werden. So kann man den GameCube gleich wieder einpacken.

Nun aber zum Digital AV-Out.

GC Video mit GC Plug

Entwickler Ingo Korb hat mit seinem GCVideo-Projekt die Basis geschaffen, den Port wieder sinnvoll zu nutzen (großer Dank nochmal für diesen Beitrag!). Gerade in Zeiten, wo sich Endgeräte immer mehr von analogen Übertragungsformen verabschieden. Mit GCVideo gibt es nun solche Lösungen namens GC Plug:

Generisches 3D-Druck-Gehäuse. Der „Knopf“ ruft das On-Screen-Display (OSD) auf, die Vertiefung ist der Reset-Knopf.
Kein „normaler“ HDMI-Output: Aufgrund der Bauweise wird das Signal per Mini-HDMI ausgegeben. Meist liegt den Angeboten aber ein entsprechendes Kabel bei.

Der Video-Ausgang erfolgt in diesem Fall via Mini-HDMI. Ich würde zu einem relativ flexiblen HDMI-Kabel raten und auch nicht unbedingt einen Mini-HDMI-zu-HDMI-Adapter anklemmen, da alles vom Port des Gerätes gehalten werden muss.

Das GC-Video-OSD

Gesteuert wird das OSD dann per Fernbedienung. In diesem Fall habe ich meine vorhandene Fernbedienung des OSSC verwendet, es müssten aber auch viele andere Fernbedienungen funktionieren. Drückt ihr den Knopf auf dem GC Plug, erscheint das Menü und ihr müsst eurer vorhandenen Fernbedienung die entsprechenden Tasten zuweisen, danach lässt sich das Menü per „Enter-Taste“ auf der Fernbedienung aufrufen.

Mein Gerät ließ sich nicht mit einem Standard-GameCube-Controller steuern, was aber grundsätzlich auch möglich ist (aber eine entsprechende Verbindung im Gerät voraussetzt, was bei mir nicht der Fall ist). Damit erscheint nun folgendes Menü, über welches sich alle Funktionen steuern lassen, die weit über die Möglichkeiten gehen, die Nintendo mit ihrem offiziellen Komponenten-Kabel angeboten hat. Die Erläuterungen dazu werden ausführlich hier erläutert:

Und wie bekomme ich nun ein progressives Bild?

Kurzgesagt: Das Bildsignal bei PAL-Spielen ist in der Regel ein 576i-Bild, also interlaced mit Halbbildern. Die Umschaltfunktion, um bei den Spielen den progressiven Bildmodus (Vollbilder) wie bei den NTSC-Spielen zu aktivieren (z.B. beim Starten des Spiels B gedrückt halten), wurde, wenn vorhanden, in eine 60Hz-Option umgewandelt (PAL60). Das Bild wird danach in 480i/60Hz ausgegeben. PAL-Spiele lassen sich nur via Swiss auf 480p (und andere Auflösungen) zwingen (zumindest bei einem Großteil der Spiele).

Swiss ist sozusagen die erste Boot-Option, um verschiedene Unterstützungssysteme beim GameCube aufzurufen, namentlich SDGecko oder SD2SP2. Es lässt sich sogar die GCVideo-Firmware aktualisieren, aber dies habe ich selbst noch nicht durchgeführt. Mehr zu diesem Thema würde aber den Beitrag sprengen.

Aber auch ohne Swiss lohnt sich das Upgrade gegenüber einem Scart-RGB-Bild über den analogen Ausgang der Konsole, denn es wirkt etwas schärfer und kann eben direkt das Signal zu HDMI weitergeben. Wichtig zu wissen: Das interlaced Bild der PAL-Spiele wird mit Bob-Deinterlacing (aka Bobbing) auf 480p bzw. 576p umgewandelt (Line Doubling) – das sorgt je nach Gerät für unsauberes Geflacker und eventuell lohnt es sich, das Bild im Urpsrungsformat interlaced an das TV-Gerät zu senden:

Star Wars: Rogue Squadron II (PAL) via GC Plug, 480i/60Hz

Alternativ kann man natürlich auch via Freeloader NTSC-Spiele starten und profitiert dann in der Regel von einem progressiven Ausgabesignal. Selbst die Spiele, die diesen Modus nicht unterstützen, können via Swiss in den meisten Fällen dazu überredet werden.

Gibt es Alternativen zum GC Plug?

Ja, es gibt zum oben genannten GC Plug im „3D-Druck-Gehäuse“ etwas „professionellere Lösungen“ größerer Hersteller, die aber trotzdem allesamt auf der GCVideo-Grundlage basieren, egal, wie die Marketing-Abteilungen die Vorzüge schönreden. Trotzdem gibt es Vorteile, die einen höheren Preis rechtfertigen: das sind beispielsweise ein schickeres Gehäuse, eine beiliegende Fernbedienung oder ein „echter“ HDMI-Ausgang (Liste wird je nach Angebot aktualisiert):

NamePreisBesonderheiten
GC Plug (diverse Hersteller)~50€ mit Versand (China)mit Mini-HDMI-Kabel, ohne Fernbedienung
Insurrection Industries Carby~75€ mit Versand (USA)HDMI-Ausgang statt Mini-HDMI, derzeit nicht lieferbar
Kaico HDMI Adapter*~80€ mit Versand (Deutschland)HDMI-Ausgang statt Mini-HDMI, baugleich Bitfunx
Bitfunx HDMI Adapter*~60€ mit Versand (China)HDMI-Ausgang statt Mini-HDMI, baugleich Kaico
Retro-Bit Prism HDMI~75€ mit Versand (Deutschland)HDMI-Ausgang statt Mini-HDMI, USB-C für FW-Updates
* Aufgrund deren Geschäftsgebahren spreche ich keine Empfehlung mehr für diese Produkte aus.

All diese Modelle verfügen über die neuste 3.Xer Firmware. Ob ein Update möglich ist oder ob nicht, ist von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich, und geht zumindest mit dem Prism recht einfach. Ansonsten gibt es auch die Original-Update-Anleitung für diverse GCVideo-Geräte.

Es gibt bzw. gab noch den Hyperkin NuView Adapter ($80 ohne Versand): Hyperkin nutzt ebenso wie alle anderen Hersteller die GCVideo-Grundlage, hat aber Entwickler Ingo Korb und die Lizenzbedingungen aus der Firmware gestrichen. Auch Updates sind nicht möglich. Bob von RetroRGB hat dazu jedenfalls einen umfangreichen und lesenswerten Artikel gepostet und die Reaktion war, dass Hyperkin das Produkt nun vom Markt genommen hat. Immerhin.

Gibt es auch Alternativen zum Nintendo Component Cable?

Wer lieber den digitalen Ausgang des GameCubes via Komponenten-Kabel verwenden möchte, um z.B. die weitgehenden Features eines externen Scalers wie dem RetroTINK5X zu nutzen, kann dies mittlerweile auch mit folgenden Lösungen durchführen:

NamePreisBesonderheiten
Carby Component Cableca. 100€nicht (mehr?) erhältlich
Kaico GC Componentca. 60€Baugleich zum Bitfunx-Adapter, Kabel etwas dunkel
Bitfunx GC Componentca. 60€Baugleich zum Kaico-Adapter
Retro-Bit Prism Componentca. 65€ (derzeit) nicht erhältlich
* Aufgrund deren Geschäftsgebahren spreche ich keine Empfehlung mehr für diese Produkte aus.

Damit erhält man zwar keine Möglichkeit mehr, über das OSD auf Funktionen der GCVideo-Lösungen zuzugreifen. Man kann via Component jedoch von besseren Deinterlacing-Möglichkeiten oder CRT-Filtern profitieren, die externer Scaler generieren muss. Intern arbeitet eine ähnliche Technik (GC Video Lite), nur beim Ton müssen die Anbieter selbst etwas entwickeln oder umsetzen. Das Original-Nintendo-GameCube-Kabel hat übrigens nur Video übertragen, der Ton wurde aus dem Analog-Ausgang generiert. Auch das ist mit den obigen Kabeln möglich.

Das Problem: Kaico/Bitfunx kann ich nicht guten Gewissens empfehlen und meine Hoffnung Retro-Bit ist eine derbe Enttäuschung (im Gegensatz zu deren GC Plug-Lösung, die die momentan Beste ist): Es handelt sich hierbei sehr wahrscheinlich um einen Clone der Kaico/Bitfunx-Produkte, allerdings zusätzlich mit Ton-Problemen. Vielleicht verkauft Retro-Bit das Kabel auch deswegen nicht mehr. Das Carby-Kabel scheint sehr gut zu arbeiten (siehe auch der weiterführende Link zu My Life in Gaming, ist aber nicht (mehr?) erhältlich (Link).

Grundproblem bei den drei restlichen Kabeln/Adaptern: Das Bild ist zu dunkel! Man kann das zwar mit dem RetroTINK5X regeln, hier ist bspw. ein Gamma-Boost nötig (es geht noch bis 10, dann neigt das Bild dazu überbelichtet zu sein):

Bitfunx-Component-Kabel an RetroTINK5X: viel zu dunkel in der Grundeinstellung Gamma 0 vs. Gamma +5 | Spiel: Star Wars: Rogue Squadron 2, PAL, 576i

Meine Empfehlung: wer Component mit einem Scaler verwenden möchte, sollte auf GC Plug setzen und dann einen (Portta) HDMI2Component-Konverter verwenden, das gleich mehr!

Was ist besser?

Rein optisch wirken die Unterschiede auf den ersten Blick marginal und hängen eher vom verwendeten Setup ab. Dennoch können die Komponenten-Kabel Unterschiede in Helligkeits- oder Farbwerten mitbringen. Momentan sind die Lösungen zu dunkel, was sich je nach Setup korrigieren lässt – oder auch nicht. Hier helfen nur direkte Vergleiche. Die GC-Plug-Lösungen sind hierbei kaum voneinander zu unterscheiden und haben dieses Helligkeits-Problem nicht.

Bitfunx-Component-Kabel an RetroTINK5X: Gamma +5 vs. GC Plug normal | Spiel: Star Wars: Rogue Squadron 2, PAL, 576i

Geht man mehr ins Detail, wird klar, dass die Komponenten-Lösung nicht an GC Plug herankommt, siehe Luigis Augen, wo es zu unschönen Farbvermischungen kommt (Quelle, Mario Kart: Double Dash!!):

Auch das Original-GC-Komponenten-Kabel ist hier nicht ganz so scharf, was daran liegt, dass ein Low-Pass-Filter verwendet wird, der das Bild leicht unscharf interpoliert (Quelle), wenn es in höheren Auflösungen ausgegeben wird; es sei denn, man nutzt optimale Timings in 480p (via RetroTINK5X).

Meine Empfehlung, wenn es dann doch etwas mehr Kabelsalat sein darf: GC Plug –> kurzes HDMI-Kabel –> Portta HDMI2Component (Achtung: NICHT Component2HDMI!) –> Komponentenkabel –> Scaler (OSSC, GBS-C, RetroTINK5X). Damit würde man das bessere Bild des GC Plug bekommen + die Vorteile eines externen Scalers (Scanlines, Filter,…).

Preislich gibt es wenig Unterschiede. Wer direkt mit HDMI-Ausgang losstarten möchte, greift zu den GC-Plug-Lösungen. Wer einen hochwertigen Scaler oder Linedoubler besitzt, könnte eventuell mit den Komponenten-Kabeln gute Ergebnisse erzielen oder einfach mehr Einstellungen vornehmen. Die „Kabelsalat-Lösung“ mit Portta-Konverter kostet ca. 40€ mehr (mit Kabeln) und ist meine derzeit präfierte Lösung. Gerade, wenn schon ein Scaler vorhanden ist und man mehr einstellen möchte, als was GC Video von Haus aus anbietet.

Generell haben die Preise in letzter Zeit aufgrund des Chip-Mangels angezogen. Gab es GC Plugs schon mit Versand für 35€, nähert man sich nun der 50€-Grenze. In Anbetracht der Mond-Preise für Original-Nintendo-Kabel immer noch eine günstige Alternative.

My Life in Gaming hat über das Thema übrigens 2018 schon ein sehr gutes Übersichtsvideo erstellt:

Allerdings tummeln sich nun mit Bitfunx, Retro-Bit und Kaico neuere Produkte auf dem Markt, die damals noch nicht erhältlich waren. Bob von RetroRGB hat noch wesentlich mehr Informationen bereitgestellt, u.a. GCHD als Premium-Lösung. Generell liefert er eine vorbildliche Arbeit, bedient aber eher den US-amerikanischen Markt für die verlinkten Produkte.

Fazit

Der GameCube ist keine große Herausforderung mehr für moderne TV-Geräte wie es teilweise noch beim N64 der Fall ist. Aufgrund der Nutzung des Digitalen-Ausgangs am GameCube, sofern vorhanden, wird ohne Umbau ein gutes Bild ausgegeben. Aber selbst ohne: Der PAL-GameCube unterstützt (Scart-)RGB, was ohnehin schon für ein gutes Bild sorgt, falls man den Eingang noch hat. Ansonsten muss auf alle Fälle ein (guter) Scaler nachgesteckt werden.

Klar ist aber auch: 480p oder 576i auf großen 4K-Screens werden immer „altbacken“ aussehen, da hilft auch das beste Kabel nicht, jedoch können Smoothing-Optionen oder CRT-Filter durch externe Geräte das Bild verbessern.

Dadurch, dass viele GameCube-Spiele flüssig laufen (im Gegensatz zum N64) und das Bild mit den oben genannten Lösungen doch deutlich besser dargestellt wird, ist das Erlebnis der mittlerweile >20 Jahren alten Konsole immer noch einen Blick wert.

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